Wirtschaft : Deutschland attraktiver Internet-Standort

ROLF OBERTREIS (MAIN)

FRANKFURT .Die Chancen für Internet-Firmen sind gut."Der Internet-Standort Deutschland ist besser als sein Ruf", sagt Falk Strascheg, Geschäftsführer der Technologieholding Venture Capital GmbH, die sich als Marktführer unter den deutschen Risikokapital-Unternehmen betrachtet.Das jüngste Beispiel dafür sei die Böblinger Brokat AG, die mit ihren Systemen das Online-Banking sicher macht und jetzt den Weg an die Börse gefunden hat.

Die Technologieholding mit Sitz in München und in Berlin hat sich ganz gezielt auf die Unterstützung solch junger High-Tech-Unternehmen spezialisiert."Brokat zeigt, daß mit der richtigen Fokussierung auf ein lukratives Marktsegment und einer gesunden Eigenkapitaldecke Deutschland ein idealer Standort rund um das Electronic Business ist", sagt Strascheg.Allerdings weiß er auch, daß Unternehmen wie Brokat nur voran kommen, wenn ihnen Risikokapital-Unternehmen wie die Technologie-Holding unter die Arme greifen.Zwei Mill.DM machte die Holding 1996 und 1997 für Brokat locker.Ende 1997 lag der Unternehmenswert bei 144 Mill.DM, nach dem jetzigen Börsengang sind es 514 Mill.DM.

Zweites schlagendes Beispiel für erfolgreiche deutsche Internet-Unternehmen ist die ostdeutsche Intershop AG, die ebenfalls von der Technologieholding unterstützt wird.Bereits im Juli war die Firma an die Börse gegangen.Intershop vertreibt mit großem Erfolg vor allem auch in Nordamerika Standardsoftware für das Ein- und Verkaufen im Internet.1,4 Mill.DM investierte die Technologieholding in das Unternehmen und gab gleichzeitig Tips für die strategische Ausrichtung.Eine Investition, die sich mit dem Börsengang mehr als ausgezahlt hat.

Auf 1,2 Billionen Ecu schätzt man bei der Technologieholding den Markt für Risikokapital in Europa, 27 Prozent davon fließen in den High-Tech-Sektor und dort finanzieren Risikokapitalfirmen vor allem die Start- und Frühphase der Unternehmen.Auch wenn die Chancen nach Ansicht von Strascheg sehr gut sind, ist der Markt für Risikokapital in Deutschland noch unterentwickelt.Umgerechnet rund 22 Mrd.DM an Venture Capital wurde 1997 in den USA aufgebracht.Hierzulande waren es nicht einmal fünf Mrd.DM.Allerdings war dies fast sieben Mal so viel wie ein Jahr zuvor.

Noch wird, wie Deutsche Bank-Vorstandssprecher Rolf Breuer unlängst betont hat, Geld in Deutschland lieber in steuerbegünstigte Fonds für Schiffs- oder Flugzeugbeteiligungen gesteckt als in innovative Unternehmen.Das gilt zum Teil auch für Banken.Allerdings nimmt Intershop-Vorstandschef Stephan Schambach die Geldhäuser auch in Schutz: Die Zinsspanne bei ihren normalen Geschäften sei einfach zu gering, um solche Risiken eingehen zu können.Deswegen sieht er Venture Capital-Firmen wie die Technologieholding als wichtige Partner für junge Unternehmen.Dabei dürfe es allerdings nicht nur um Geld gehen, sondern auch um das Mitdenken in der Frühphase nach der Gründung des Unternehmens.Die Technologieholding sieht sich denn selbst auch als Sparrings-Partner, die nicht nur Geld gibt, sondern auch Denkanstöße liefert, aber nicht in das Tagesgeschäft eingreift.

Derzeit hält die Technologieholding 59 Beteiligungen, 20 bis 30 sollen in diesem Jahr dazukommen.Weil es um Risikokapital geht, kann es auch mal schiefgehen.Bei einem Fünftel der Unternehmen sehe man kein Geld oder allenfalls 20 Prozent wieder, sagt Strascheg.Brokat und Intershop aber sind echte Renner.

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