Wirtschaft : Deutschland bei den Arbeitskosten erneut Weltmeister

HENRIK MORTSIEFER

IW-Berechnung: Abstand zu den übrigen Industrieländern 1996 gewachsen / Verdoppelung in acht JahrenVON HENRIK MORTSIEFER

BERLIN.Die Arbeitskosten in westdeutschen Industrieunternehmen waren 1996 erneut die weltweit höchsten.Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat in seinem aktuellen Arbeitskostenvergleich errechnet, daß die Arbeitsstunde mit 47,28 DM um 17,30 DM teurer als der internationale Durchschnitt der Industrieländer war.Im Osten Deutschlands fiel die Belastung der Unternehmen mit 31,89 DM deutlich niedriger aus.Das IW weist jedoch darauf hin, daß auch dieser Wert bereits höher als in den übrigen G 7-Ländern mit Ausnahme Japans ist.Im Durchschnitt des westdeutschen Verarbeitenden Gewerbes machen die Personalkosten inzwischen rund ein Viertel der Produktionskosten aus. Das Direktentgelt für tatsächlich geleistete Arbeit belief sich 1996 im westdeutschen Durchschnitt auf 25,96 DM, in Ostdeutschland auf 17,99 DM.Enthalten sind darin Überstundenzuschläge und Schichtzulagen sowie regelmäßig gezahlte Prämien.Teurer waren im vergangenen Jahr nur die Schweiz, Norwegen und Dänemark."Arbeitskosten-Weltmeister", so das IW, sei Westdeutschland aufgrund der hohen Zusatzkosten von 21,32 DM pro Arbeitsstunde geblieben.In den neuen Ländern fielen Zusatzkosten von 13,89 DM pro geleisteter Stunde an.Im wesentlichen handelt es sich dabei um Aufwendungen der Unternehmen für Sozialversicherungsbeiträge, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, bezahlte Freizeit und sonstige tarifliche und freiwillige Leistungen.Eingerechnet werden aber auch die Kosten der Berufsausbildung sowie Extraleistungen in Naturalien. Verglichen mit den Vorjahren - das IW ermittelt seit 1977 Stand und Entwicklung der internationalen Arbeitskosten - hat sich der Kostennachteil deutscher Unternehmen noch vergrößert.Lagen die westdeutschen Arbeitskosten 1989 noch um 28 Prozent über dem Durchschnitt der übrigen Industrieländer, betrug der Abstand im vergangenen Jahr bereits 58 Prozent - eine Verdoppelung innerhalb von acht Jahren.Das IW kommt darüber hinaus zu dem Ergebnis, daß der - in D-Mark gerechnete - Anstieg der industriellen Arbeitskosten 1996 in 18 Ländern niedriger ausfiel als im Westen Deutschlands.Nur in Portugal und Österreich sei der Zuwachs höher gewesen. Als Bestandteil der unternehmerischen Produktionskosten beeinflussen die Arbeitskosten die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie.Wie im Falle Westdeutschlands lassen sich Wettbewerbsnachteile durch hohe Arbeitskosten zum Teil durch hohe Produktivität abmildern.Das IW weist in seiner Analyse jedoch darauf hin, daß technische Standards und Know-how auf dem Wege der Direktinvestition exportiert werden können - vornehmlich in Länder mit niedrigen Arbeitskosten.Der reine Arbeitskostenvorteil gewinne deshalb für Investitionsentscheidungen angesichts der Globalisierung an Bedeutung.Für 1997 rechnet das IW mit einer leichten Verbesserung der deutschen Position. Aufgrund der moderaten Lohnabschlüsse in Deutschland und der Wechselkursentwicklung rechnet das IW für 1997 mit einer leichten Verbesserung der internationalen Arbeitskostenposition.Gleichwohl dürften steigende Sozialversicherungsbeiträge nach IW-Einschätzung den Anteil der Personalzusatzkosten an den Arbeitskosten um einen Prozentpunkt auf den internationalen Rekordwert von 83 Prozent wachsen lassen.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben