Wirtschaft : Deutschland bei Patenten Europameister Nur USA melden mehr Erfindungen an

Nicole Adolph

München – Als Land der Ideen wünscht sich Bundespräsident Horst Köhler seine Heimat. Blickt man auf die angemeldeten Patente in Europa, ist der Wunsch schon in Erfüllung gegangen: Die Deutschen sind weitaus erfinderischer als ihre europäischen Nachbarn; im vergangenen Jahr meldeten sie zum Beispiel drei Mal so viele Patente beim Europäischen Patentamt (EPA) wie Frankreich an. Experten warnten aber davor, die hohe Zahl der Anmeldungen als Beleg für ein Ende des Innovationsstaus in Deutschland zu werten.

„Deutschland ist mit Abstand das innovativste Land in Europa“, sagte der scheidende Präsident des Europäischen Patentamts, Ingo Kober, am Donnerstag bei der Jahresversammlung in München. Nach Angaben der Behörde meldeten die Deutschen im vergangenen Jahr 19,5 Prozent aller 162200 Patente beim EPA an, die meisten davon in den Bereichen Medizintechnik, elektronische Nachrichtentechnik und Datenverarbeitung. Noch innovativer waren nur die USA, die 27,3 Prozent der Anmeldungen einreichten. Die meisten europäischen Länder kamen nicht einmal auf fünf Prozent. Der Bundesverband der Deutschen Industrie warnte davor, die hohe Zahl der deutschen Patentanmeldungen beim EPA als Indiz für ein Ende des Innovationsstaus zu werten. „Dass wir im Vergleich zu Ländern wie Griechenland und Italien wunderbar dastehen, kann nicht unser Maßstab sein“, sagte Henrike Vieregge, Patentexpertin beim BDI. Sie wies darauf hin, dass Deutschland bei den weltweiten Patentanmeldungen erstmals seit 13 Jahren seine Position als zweitstärkstes Land hinter den USA eingebüßt hat und von Japan verdrängt wurde. „Das ist für Deutschland ein Schlag ins Genick“, sagte Vieregge. Auch sage die hohe Zahl alleine nicht viel aus: „Wer weniger und dafür durchschlagende Patente anmeldet, spart sich viel Geld und ist trotzdem innovativer als manches Unternehmen, das ständig Patente anmeldet.“

Der Geschäftsführer des IT-Branchenverbands Bitkom, Bernhard Rohleder, sagte, beim Thema Innovation zeige der Trend in Deutschland trotz vieler Patente „eher nach unten“. Er wies darauf hin, dass die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung nur 2,4 Prozent am Bruttoinlandsprodukt betrügen. Nach der Zielmarke von OECD und EU müssten es mindestens drei Prozent sein. „Die Bundesregierung muss das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Innovationen schärfen“, sagte Rohleder.

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