Wirtschaft : Deutschland bleibt Weltmeister

Ausfuhrrekord auch im Oktober / Zahl der Insolvenzen sinkt / Produktion geht leicht zurück

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Berlin/Wiesbaden – Deutsche Unternehmen haben im Oktober 2006 mehr Waren ins Ausland verkauft als jemals zuvor. Trotz der Abkühlung der Weltkonjunktur stieg der deutsche Export auf den Rekordwert von 84 Milliarden Euro. Deutschland sei damit auf dem besten Wege, das vierte Jahr in Folge Exportweltmeister zu werden, erklärte der Bundesverband Groß- und Außenhandel (BGA) am Freitag in Berlin.

Nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes kletterte der Export gegenüber dem Vorjahresmonat um fast ein Viertel, dies war der kräftigste Anstieg seit fast sechs Jahren. Auch gegenüber September 2006 legten die Ausfuhren noch um 2,6 Prozent zu.

Die Einfuhren erhöhten sich im Vergleich zum Vorjahresmonat um 17,6 Prozent auf 66,8 Milliarden Euro. Gegenüber dem September sanken die Einfuhren um 0,2 Prozent. Die Außenhandelsbilanz schloss in diesem Oktober mit einem Überschuss von 17,3 Milliarden Euro ab. Im Oktober 2005 hatte der Saldo noch 11,8 Milliarden Euro betragen. „Der Außenhandel trägt somit auch im laufenden Jahr erheblich zum gesamtwirtschaftlichen Wachstum bei“, erklärte BGA-Präsident Anton Börner. Zugleich wies er darauf hin, dass im Oktober die größten Zuwächse im Handel mit den Ländern außerhalb der EU erzielt wurden. Dies zeige, wie sehr die deutsche Wirtschaft von ihrem Engagement auf den Wachstumsmärkten beispielsweise in Asien, Nahost und Osteuropa profitierte. Mit dem starken Euro kommen die Exporteure offenbar gut zurecht. „Wir haben schon viel früher einen stärkeren Euro erwartet. Wenn man das einplant, kann man auch gut damit leben“, sagte Börner.

Auch andere Experten zeigten sich von der hohen Exportdynamik überrascht. Sie sehen den Außenhandel auch am Jahresende als wichtige Konjunkturstütze. Bereits im Sommer hatte der Außenhandel rund zwei Drittel zum Wachstum von damals 0,6 Prozent beigesteuert. „Der deutsche Außenhandel hat im Oktober einmal mehr eine faustdicke Überraschung bereitgehalten“, sagte Volkswirt Sebastian Wanke von der Deka Bank. Und Matthias Rubisch von der Commerzbank erklärte: „Auch wenn die Daten für November und Dezember noch nicht vorliegen, zeichnet sich bereits jetzt ein positiver Wachstumsbeitrag vom Außenhandel im vierten Quartal ab.“

Dieser Beitrag ist umso willkommener, als die deutsche Industrieproduktion im Oktober zurückgegangen ist. Das Bundeswirtschaftsministerium teilte am Freitag mit, die Produktion im verarbeitenden Gewerbe sei gegenüber dem Vormonat um 1,4 Prozent zurückgegangen. Und bereits im Vormonat war die Produktion um 0,6 Prozent gesunken. Die Auftragslage sei aber nach wie vor gut, erklärte das Ministerium, das Geschäftsklima habe sich sowohl im verarbeitenden Gewerbe als auch im Bauhauptgewerbe verbessert.

Dass es den deutschen Unternehmen besser geht, zeigt sich auch an der Zahl der Pleiten. Nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes verzeichneten die Gerichte im September dieses Jahres 2380 Insolvenzen und damit 17,3 Prozent weniger als im September 2005. Tsp

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