Wirtschaft : Deutschland gegen mehr Subventionen für Airbus

Trotzdem will Peter Hintze, Regierungskoordinator für die Luft- und Raumfahrt, Entwicklung und Produktion im Land halten

Gernot Heller (rtr)

Berlin - Die Bundesregierung zeigt wenig Neigung, den Forderungen des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS nach mehr Staatshilfen nachzukommen. „Unser Luftfahrtforschungsprogramm ist gut ausgestattet, das weiß auch die Industrie“, sagte der Regierungskoordinator für die Luft- und Raumfahrtindustrie, Peter Hintze, am Sonntag. Der Industrie sei bekannt, dass die Bundesregierung die Branche „sehr ambitioniert und sehr fair“ finanziell unterstütze.

Deutschland fördere die Luftfahrtindustrie bei Forschung und Entwicklung im Einklang mit den Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) und der Europäischen Union, unterstrich Hintze. „Das gilt aber mit der festen Verpflichtung, dass dann auch die Produktion bei uns stattfindet“, mahnte er EADS und die Konzerntochter Airbus. Forschung, Entwicklung und industrielle Produktion sollten im Lande gehalten werden. „Wir wollen Neues entwickeln, aber wir wollen es auch bei uns bauen.“ EADS fordert mehr staatliche Hilfen und begründet dies mit angeblichen Subventionen von 800 Millionen Dollar pro Jahr für den US-Konkurrenten Boeing. Dagegen erhalte EADS mit Airbus lediglich 60 Millionen Euro an Regierungshilfen.

Hintze sieht Europas Luft- und Raumfahrtindustrie rund um EADS trotz der Probleme bei neuen Airbus-Modellen weiter auf Erfolgskurs. „Ich glaube, dass Europa gemeinsam mit den USA den Spitzenplatz halten wird“, sagte er kurz vor der Eröffnung der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin. Bei neuen Technologien gebe es immer einmal wieder Probleme und Verzögerungen. „Ich bin dennoch sicher, dass der A 380 ein weltweiter Erfolg wird“, sagte er mit Blick auf den neuen Airbus-Riesenjet, dessen Auslieferungen sich mehrfach verzögert haben und der bei der ILA wieder zu sehen sein wird. Auch der schon legendäre Jumbo von Boeing habe sich wiederholt verzögert, doch habe dies den kommerziellen Erfolg nicht behindert.

„Die Luft- und Raumfahrt bleibt eine Boombranche“, sagte Hintze. Auch in den nächsten Jahren werde sie vom kräftig wachsenden Luftverkehr profitieren, und zudem stehe sie vor dem Technologiesprung vom Metall- und Kunststoffzeitalter. „Das ist ein absolutes Zukunftsfeld“, sagte der CDU-Politiker, der für den deutschen Sitz in der EU-Kommission im Gespräch ist.

Die Ankündigung Chinas, langfristig einen Konkurrenten für Boeing und Airbus beim Bau großer Passagiermaschinen aufzubauen, beurteilte Hintze gelassen. „Auch hier gilt das Motto: Konkurrenz belebt das Geschäft.“ Eines der großen ILA-Themen wird nach den Worten von Hintze sein, wie Ökonomie und Klimaschutz in Einklang gebracht werden können. „Darauf müssen wir eine Antwort geben“, sagte er. Gernot Heller (rtr)

Die ILA wird am morgigen Dienstag auf dem Flughafen Schönefeld eröffnet – zunächst für das Fachpublikum. Am Freitag, Sonnabend und Sonntag sind dann alle Besucher willkommen. Eintrittskarten kosten pro Tag 17 Euro, ermäßigt elf Euro.

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