Wirtschaft : Deutschland gehen die Gründer aus Tiefster Stand seit der Wiedervereinigung

München/Berlin - Der deutschen Wirtschaft gehen die Gründer aus. Nur noch 346 400 gewerbliche Existenzgründungen zählte das Institut für Mittelstandsforschung in Bonn im vergangenen Jahr. Das waren fast 14 Prozent weniger als 2011 und zugleich der tiefste Stand seit der Wiedervereinigung. Experten bereitet die Entwicklung zunehmend Sorgen. „Wenn wir in Zukunft einen starken Mittelstand haben wollen, dann brauchen wir Existenzgründungen, die nicht nur aus der Not geboren sind, sondern auch aus Pioniergeist“, sagt Marc Evers vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK).

Dabei beschleunigte sich der Abwärtstrend noch in der zweiten Jahreshälfte. Auch unter dem Strich führte das zu einem kräftigen Minus: 2012 wurden rund 24 100 Firmen mehr aufgelöst, als neu an den Start gingen. Seit Mitte der 1970er Jahre war das erst der zweite Negativsaldo, heißt es bei den Bonner Forschern.

Konjunktursorgen und Euro-Krise verbessern das Klima für Unternehmensgründungen auch zum Start ins Frühjahr 2013 nicht. Weil zudem die Chancen auf dem Arbeitsmarkt noch immer gut sind, verlassen weniger Menschen ausgetretene Pfade und wagen den Schritt in die Selbstständigkeit. Problematisch ist die mangelnde Perspektive vieler Existenzgründungen. Auch ein Nagelstudio könne innovativ sein, sagt Evers. „Aber das dritte Nagelstudio in der Straße ist dann eben nur noch begrenzt innovativ.“ Vielversprechendes aus Zukunftsbranchen wie Biotechnologie, Medizintechnik oder IT sei mit einem Anteil von sechs Prozent dagegen selten. Ein Grund für die Flaute dürfte auch sein, dass Arbeitslose seit Anfang 2012 keinen Rechtsanspruch mehr auf einen Gründerzuschuss von der Bundesagentur für Arbeit haben. dpa

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