Wirtschaft : Deutschland hat die billigsten Lebensmittel der Welt

Auch Deutschlands größter Lebensmittelhändler Rewe drängt nach langem Zögern ins Internet. Rewe-Chef Hans Reischl kündigte am Mittwoch in Köln an, der Einzelhandelsgigant werde noch in diesem Jahr seine ersten E-Commerce-Aktivitäten starten. Eine herausragende Rolle werde dabei der Reisesektor spielen. Rewe gehört in dieser Branche nach dem Erwerb der DER-Touristik zu den drei größten Anbietern. Doch sollen die Möglichkeiten des Internets auch im Business-to-Business-Geschäft mit Lieferanten genutzt werden. Allein in diesem Jahr will Rewe rund 100 Millionen Mark in diesem Bereich investieren.

Die Handelsgruppe hat im Jahr 1999 in Europa einen Umsatz von mehr als 67 Milliarden Mark erzielt. Im laufenden Jahr strebe Rewe an, beim Umsatz die 70-Milliarden-Grenze zu überschreiten. Das Betriebsergebnis vor Steuern der Gruppe bezifferte Reischl auf 500 Millionen Mark - rund 100 Millionen Mark weniger als im Vorjahr. Der Rückgang hängt nach Darstellung von Rewe mit dem Preisverfall bei Lebensmitteln zusammen, der für das vergangene Jahr auf drei bis vier Prozent beziffert wird. Nach Reischls Worten hat Deutschland die billigsten Lebensmittelpreise der Welt.

Dass die Rewe-Gruppe beim Betriebsergebnis über dem der vergleichbaren Wettbewerber liege, sei damit zu erklären, dass die Gruppe neben dem Lebensmittelhandel noch andere, renditeträchtigere Geschäftsfelder aufgebaut habe. Bei Rewe sind das Fachmärkte im In- und Ausland und das Touristik-Geschäft. Den boomenden Touristikbereich will Reischl innerhalb von zwei bis drei Jahren börsenfähig machen und sich damit für eine Allianz mit einem internationalen Partner öffnen. Dabei habe Rewe vor allem Interesse an einem Reiseveranstalter mit Hotelkapazitäten.

Die Rewe-Gruppe liegt laut Reischl nach den Lebensmittel-Umsätzen in Europa an dritter Stelle nach den französischen Konzernen Carrefours/Promodes und Intermarche. Nach Investitionen von 1,3 Milliarden Mark im Jahr 1999 habe die Rewe ihr Investitionsbudget für 2000 auf zwei Milliarden DM aufgestockt. Zusätzliche Mittel sollen vor allem in die Umsetzung neuer Vertriebskonzepte, in die Touristik und in künftige Aktivitäten im E-Commerce fließen.

Der Auslandsanteil am gesamten Einzelhandelsumsatz der Rewe-Gruppe von rund 60 Milliarden Mark in Europa ist 1999 von 18,5 auf 19,7 Prozent gestiegen. Die Zahl der Märkte in Europa hat um 1,5 Prozent auf 11 680 zugenommen, die Zahl der Beschäftigten um 6,8 Prozent auf 173 000. Erstmals hat die Rewe 1999 Märkte in Rumänien und Kroatien eröffnet. Insgesamt werde die Rewe-Gruppe in Europa im laufenden Jahr schätzungsweise 300 Märkte eröffnen, vor allem im Ausland, und 100 Märkte schließen, im Wesentlichen in Deutschland. Im vergangenen Jahr habe die Rewe-Gruppe die Zahl der Märkte in Deutschland um 140 auf 9470 reduziert.

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