Wirtschaft : Deutschland hat international aufgeholt - Forschung wird immer mehr aus Unternehmen ausgelagert

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Die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung (FuE) in Deutschland sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Nach Jahren der Stagnation erhöhten sich die FuE-Ausgaben zwischen 1995 und 1998 um 9,2 Prozent auf knapp 84 Milliarden Mark. "Daran hat die Wirtschaft einen sehr großen Anteil", sagte der Generalsekretär des Stifterverbandes für die Deutsche Wirtschaft, Manfred Erhardt, am Mittwoch in Berlin. Erhardt präsentierte das Ergebnis einer Umfrage des Stifterverbandes unter mehr als 25 000 deutschen Unternehmen und wirtschaftsnahen Forschungseinrichtungen. Die Höhe ihrer FuE-Aktivitäten gilt als wesentlicher Indikator für die Innovationskraft der Wirtschaft.

Nach der Studie des Stifterverbandes war die Wirtschaft in 1998 mit knapp 86 Prozent (1995: 66,4 Prozent) überdurchschnittlich an Forschungs- und Entwicklungsausgaben beteiligt. Während die Wirtschaft ihren Anteil erhöhte, hat sich der Anteil von Staat und Hochschulen an FuE-Aufwendungen verringert, 1998 betrug er 32 Prozent (1995: 33,6 Prozent). Als "geradezu sensationell" bezeichnete Erhardt den Anteil der externen FuE-Aufwendungen der Wirtschaft. Für Aufträge an Dritte, etwa Hochschulen und andere Unternehmen, zahlte die Wirtschaft 1998 rund 11,4 Milliarden Mark. Gegenüber 1995 ist das eine Steigerung um knapp 84 Prozent. 1999 hat sich der Anteil nochmals um 8,8 Prozent auf 12,4 Milliarden Mark erhöht. "Die Unternehmen lagern ihre Forschungsaktivitäten immer mehr aus", sagte Erhardt. Die deutschen Hochschulen hätten davon allerdings kaum profitiert.

Im internationalen Vergleich hat Deutschland wieder aufgeschlossen. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist der Anteil der FuE-Aufwendungen der Wirtschaft seit 1995 gestiegen, während er in Frankreich und Großbritannien zurückging. 1998 betrug der Anteil in Deutschland 1,57 Prozent, gegenüber 1,37 Prozent in Frankreich und 2,08 Prozent in den USA, wie eine OECD-Studie für das Jahr 1997 zeigt.

Unterdessen hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) die deutsche Wirtschaft zu größeren und dauerhaften Forschungsanstrengungen aufgefordert. Nirgends sei die nach kräftigem Wachstum in den 80er Jahren einsetzende Stagnation bei FuE-Ausgaben so ausgeprägt gewesen wie in Deutschland, schreibt das DIW im jüngsten Wochenbericht. Im Wettbewerb mit anderen Volkswirtschaften seien drei bis vier Jahre verstrichen, bis die Investitionen in neues Wissen wieder in dem Tempo gestiegen seien, das andere vorgelegt hätten, heißt es.

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