Wirtschaft : Deutschland ist teuerstes Chemie-Land

BERLIN/WIESBADEN (pys/AP/dpa).Die Arbeitskosten westdeutscher Chemieunternehmen sind nach einer Untersuchung der Arbeitgeber auch 1997 die höchsten in der Welt.Der Bundesarbeitgeberverband Chemie berichtet in seinem jüngsten Informationsbrief, eine Chemie-Arbeitsstunde habe im vergangenen Jahr in Westdeutschland 70,78 DM gekostet.Sie sei damit um rund 37 Prozent teurer gewesen als im Durchschnitt der übrigen 14 Industrienationen, die der Verband verglichen hat.Selbst gegenüber den zweitplazierten Belgiern müsse Deutschland einen Nachteil von rund 8,51 DM pro Stunde hinnehmen.

Der Abstand zu den Hauptkonkurrenten habe sichjedoch teilweise verringert.So seien bei den ausländischen Wettbewerbern die Arbeitskosten - ohne Wechselkurseffekte - zwischen 2,5 und fünf Prozent gestiegen, was deutlich über dem westdeutschen Plus von 0,9 Prozent liege.Bei Berücksichtigung der Wechselkursschwankungen stiegen die Arbeitskosten im vergangenen Jahr in der amerikanischen Chemie sogar um rund 20 Prozent, in Großbritannien um etwa 26 Prozent.

Die chemische Industrie befürchtet spätestens in fünf Jahren einen Engpaß beim akademischen Nachwuchs.Immer weniger junge Leute würden in Deutschland ein Chemiestudium beginnen.Die Zahl der Absolventen werde deshalb nach 2002 auf bis zu 1000 pro Jahr sinken.Benötigt würden aber rund 1500 Chemiker, berichteten die Chemie-Arbeitgeber am Donnerstag.Für die 2275 Absolventen von 1997 verbessern sich nach Verbandsangaben allmählich die Startbedingungen.Aus allen Bereichen der Wirtschaft würden mehr freie Stellen gemeldet.28,4 Prozent der Hochschulabgänger fanden eine Anstellung in der chemischen Industrie.Im Vorjahr waren es 27,1 Prozent.Auch die übrige Wirtschaft habe mehr Chemiker gesucht.Die Zahl der arbeitslos gemeldeten Chemiker sei bis Ende September 1997 um fünf Prozent auf 5650 gestiegen.Neben den Arbeitslosenzahlen könnte für das schwindende Interesse am Chemiestudium auch die Personalpolitik der Branche verantwortlich sein.Mit drastischen Stellenstreichungen hat die Chemieindustrie in den vergangenen Jahren Schlagzeilen gemacht.Seit 1991 wurden insgesamt 200 000 Arbeitsplätze abgebaut.Damit sank die Zahl der Beschäftigten auf rund eine halbe Million.

Für Chemiker in Berlin hat sich nach Angaben der Betriebsräte von Schering AG und Chemie Berlin AG nicht viel geändert.Viele von ihnen arbeiteten allerdings nicht mehr auf traditionellen Chemiker-Arbeitsplätzen, sondern im Außendienst, etwa als Pharmareferenten, hieß es bei der Chemie Berlin AG.In der Schering AG, die in Berlin 188 Chemiker beschäftigt, wurden 1997 20 neu eingestellt, etwas mehr als im Vorjahr.In diesem Jahr sollen es etwa 15 werden, sagt Sprecher Dieter Herbst.

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