Wirtschaft : Deutschland mit großem Auftritt in China

CHRISTOPH RABE (HB)

Rexrodt reist ins Reich der Mitte / Die 7.Asien-Pazifik-Konferenz ist Anlaß für zahlreiche VeranstaltungenVON CHRISTOPH RABE (HB) BONN.Mit einer ganzen Serie von Veranstaltungen will die deutsche Wirtschaft in der kommenden Woche unterstreichen, daß sie ein ungetrübtes Interesse an der Region Asien-Pazifik hat.Und mit einer einwöchigen Reise nach China will Bundeswirtschaftsminister Günter Rexrodt vor allem das Engagement deutscher Unternehmer in China stärken.In Peking findet vom 27.bis 29.April die 7.Asien-Pazifik-Konferenz statt, in Schanghai zeigt die deutsche Konsumgüterindustrie parallel dazu bis zum 2.Mai ihre Leistungspalette.Gleichzeitig wird der Grundstein für ein Deutsches Industrie- und Handelszentrum in Schanghai gelegt.Außerdem erfolgt die Eröffnung von zwei Vertretungsbüros der deutschen Wirtschaft in Peking und Kanton. Angesichts der Krise in Asien empfindet es die deutsche Wirtschaft als "glücklichen Zufall", daß diese Ereignisse in China stattfinden, denn die chinesische Regierung ist von deren Auswirkungen aufgrund der Nicht-Konvertierbarkeit des Renminbi weitgehend verschont geblieben.Mehr als 800 Teilnehmer haben sich für die Konferenz angesagt, die gemeinsam von Rexrodt und dem Vorsitzenden des Asien-Pazifik-Ausschusses, Siemens-Chef Heinrich von Pierer, geleitet wird. Die Konferenz soll eine Bestandsaufnahme der Krise und ihrer Folgen ermöglichen, aber auch Wege zu ihrer Bewältigung aufzeigen.Nach Vorstellung von BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel sollte die Konferenz über China hinaus in Asien klarmachen, daß diese Länder sich auch in der Not auf die deutsche Industrie verlassen können."Im Gegensatz zu den USA sind wir nicht dafür bekannt, sofort die Kurve zu kratzen, wenn irgendwo eine Krise auftaucht", sagt er in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. Durch diese Haltung könne Deutschland seine Position als dritter strategischer Partner neben Japan und den USA in Asien weiter zementieren.Deutschland komme dabei zugute, daß es im Gegensatz zu den beiden Konkurrenten allenfalls wirtschaftliche Ziele in der Region verfolge. Henkel, der Rexrodt ebenso begleitet wie DIHT-Präsident Hans Peter Stihl, zeigt sich "beeindruckt von der Standhaftigkeit der chinesischen Regierung".Sie habe allen Versuchungen, eine Abwertung durchzuführen, bislang getrotzt.Eine "bedachte Wirtschafts- und Währungspolitik" habe zudem dazu beigetragen, daß eine Ausbreitung der Krise auf die Weltwirtschaft habe vermieden werden können.Henkel: "Ich glaube, daß China das Ziel verfolgt, aus dieser Krise als politisch gestärkte Größe in Asien hervorzugehen." Der BDI-Chef führt diese Zurückhaltung auch auf die WTO-Ambitionen Pekings zurück.An einem baldigen WTO-Beitritt ist auch die Bundesregierung interessiert.Peking müsse allerdings die Spielregeln der Welthandelsorganisation einhalten, mahnte Rexrodt. Auch der Bundeswirtschaftsminister zollt China Beifall für seine Politik.Wie ein "Fels in der Brandung" habe sich Peking im Verlauf der Asienkrise gezeigt.Rexrodt trifft als erster deutscher Minister die neue chinesische Führungsriege und dürfte mit Ministerpräsident Zhu Rongji, Außenhandelsminister Shi Guangsheng und dem Vorsitzenden der Staatlichen Kommission für Entwicklungsplanung, Zeng Peijan, zusammenkommen.Für die chinesische Wirtschaft erwartet Rexrodt trotz der verschlechterten Wettbewerbsposition gegenüber einigen asiatischen Konkurrenten keinen großen Einbruch bei den Exporten. China ist der zweitgrößte Handelspartner Deutschlands in Asien hinter Japan.1997 haben die Chinesen im bilateralen Handel wiederum einen hohen Überschuß erzielt.Der Wert ihrer Ausfuhren nach Deutschland nahm um 19 Prozent auf 21,4 Mrd.DM zu, während die deutschen Exporte leicht um 2,4 Prozent auf 10,6 Mrd.DM zurückfielen.Laut Rexrodt hat es bei den Hermes-Deckungen für Projekte in China keine Ausfälle gegeben.China steht nach Rußland mit 14,5 Mrd.DM Gesamtobligo und Darlehenszusagen über 3 Mrd.DM auf Platz zwei der Hermes-Kreditländer. Um die deutsche Marktposition in China weiter zu festigen, tritt die Konsumgüterindustrie in Schanghai mit 160 Ausstellern auf der "Konsugerma" auf.Sie ist die erste umfassende Leistungsschau der Branche im Ausland.Neben der Präsentation deutscher Konsumgüter verfolgt die Messe zugleich das Ziel, potentiellen chinesischen Partnern Kooperationsangebote bei der Produktion von Verbrauchsgütern zu machen und einen Eindruck von "German way of life" zu vermitteln.Abgesehen von dem Vorzeigeprodukt Auto, vertreten durch VW und Audi, werden auf der Messe Nahrungs- und Genußmittel, Haushaltsbedarf, Kosmetika und Spielzeug gezeigt.Die meisten Aussteller sind mittelständische Unternehmer, die zum ersten Mal in China auftreten.Der Bund fördert diese Messe mit 8 Mill.DM.Rexrodt ist daher etwas enttäuscht, daß die Beteiligung nicht ganz den Erwartungen entspricht, zumal mit der Schau auch das einseitige deutsche Image als Lieferant von Investitionsgütern etwas zurechtgerückt werden sollte. Die Investitionsgüterindustrie verspricht sich von der Reise Rexrodts wiederum satte Aufträge.Der Minister will die jüngst vereinbarten Großprojekte von BASF (petrochemischer Komplex, 5 Mrd.DM) und Krupp-Thyssen (1,3 Mrd.DM) ansprechen und den Weg für den Abschluß weiterer Vorhaben von Schloemann-Siemag (Stahlwerk, 1,7 Mrd.DM), Klöckner (Zellstoffanlage, 1,1 Mrd.DM), Deutsche Babcock (Kraftwerk Shandong, 151 Mill.DM), sowie für ein nicht näher spezifiziertes Veba-Projekt ebnen.Deutschland war 1997 vor Großbritannien größter europäischer Investor in China. Trotz der vorübergehenden Wachstumspause in der asiatischen Krisenregion sieht Rexrodt auch dort weiterhin gute Chancen für Anlagenbauer und Investitionsgüterhersteller.Langfristig müsse die Infrastruktur in den Schwellenländern weiter ausgebaut werden.Großaufträge aus der Kernregion der asiatischen Wirtschafts- und Finanzkrise erwartet die deutsche Wirtschaft laut Henkel aber vorerst nicht mehr.Doch mittel- und langfristig gehöre Asien zu den stärksten Wachstumsregionen, meint Henkel. Vertreter der deutschen Verbände hatten in verschiedenen Anhörungen beim Bundeswirtschaftsministerium deutlich gemacht, daß die Krise zwar schwerwiegender als ursprünglich angenommen ist, die Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft jedoch kalkulierbar bleiben.Die Überwindung der Krise werde aber noch einige Zeit in Anspruch nehmen, meint Henkel.Sie habe schonungslos die Strukturprobleme offengelegt."Wir haben uns durch die Tatsache, daß die meisten Währungen an den Dollar gebunden und dadurch einige Schwächen überdeckt worden waren, wohl ein wenig fehlleiten lassen." Der BDI-Chef sieht zwar in allen betroffenen Ländern "Anfälle für Protektionismus", aber es gehöre nun einmal zu den Bedingungen des Internationalen Währungsfonds, "nicht in diese Falle zu tappen".Er sieht im Gegenteil aus der Krise Chancen für diejenigen heranwachsen, die für Strukturreformen eingetreten seien.

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