Wirtschaft : Deutschland muss Ältere mobilisieren

OECD fordert, Erwerbstätigkeit älterer Menschen zu fördern

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Paris - Deutschland muss seine älteren Arbeitnehmer mobilisieren, sonst droht ein Wachstumsrückgang. Zu diesem Ergebnis kommt ein Bericht der Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD). Werde die Beschäftigungspolitik nicht geändert, „besteht die Gefahr, dass das Wirtschaftswachstum bei gleichzeitig steigenden Sozialausgaben geringer ausfällt“, sagte Christopher Prinz, Verfasser der Studie.

Während in Deutschland nur rund 40 Prozent zwischen 55 und 64 Jahren erwerbstätig sind, sind es in Großbritannien und den USA in dieser Altersgruppe 60 Prozent. In Schweden beträgt der Anteil sogar 70 Prozent. Mit dem Ergebnis, dass in Deutschland staatliche Rentenausgaben mit zwölf Prozent des Bruttoinlandsprodukt (BIP) zu den höchsten im OECD-Raum gehören. Bis 2050 könnte die veränderte Altersstruktur die Ausgaben um weitere drei Prozent des BIP belasten. Die Untersuchungen führte die OECD in 21 Ländern durch.

Die Bevölkerungsalterung wird sich in Deutschland im OECD-Vergleich eher stärker bemerkbar machen. Spätestens ab 2020 wird es deshalb einen spürbaren Rückgang der Arbeitskräfte geben. Die OECD bewertet deshalb die jüngsten Reformen zum Arbeitsmarkt und zur Rente positiv, um die Beschäftigung der Älteren zu erhöhen. Doch es bestehe weiterer Handlungsbedarf. „Wichtig ist es, das Rentenalter anzuheben. Das sollte man automatisch mit der höheren Lebenserwartung verknüpfen“, sagte Prinz. Doch die Übergangsfristen wie im Fall der geplanten Erhöhung des Rentenalters auf 67 Jahre seien zu lang.

Zudem sollte man laut OECD die Verpflichtung zur Arbeitssuche auf alle Arbeitslosen ausweiten. Es müssten alle Frühverrentungsanreize abgeschafft werden. Zu denken sei an einen Lohnausgleich für diejenigen, die niedrig bezahlte Stellen annehmen. Für Arbeitgeber sollte die Einstellung von über 50-Jährigen zusätzliche Vorteile bringen. „Ein guter Ansatz für die Mehrbeschäftigung von Älteren ist die Probezeit von 24 Monaten“, erklärte Prinz. In anderen OECD-Ländern sei mehr unternommen worden. „In Schweden gibt es mehr Flexibilität. Ältere können Rente und Arbeit teilweise verbinden. In Frankreich werden zunehmend Fortbildungsmaßnahmen für Ältere angeboten. In Großbritannien informieren Aufklärungsprogramme über die Synergie-Vorteile bei der Beschäftigung von älteren Arbeitnehmern“, sagte Mark Keese, Leiter der zuständigen Abteilung für die thematischen Berichte zur Alterung und Beschäftigungspolitik. ku (HB)

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