Wirtschaft : Deutschland wird ungleicher OECD fordert höhere Steuern für Reiche

Berlin - Die Kluft zwischen Arm und Reich ist in Deutschland in den vergangenen Jahren stärker gewachsen als in anderen Industrieländern. War die Ungleichheit in den neunziger Jahren hierzulande noch vergleichsweise niedrig, ist sie seither stärker gewachsen als in den meisten anderen reichen Ländern. Das geht aus einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vom Montag hervor. Das oberste Zehntel der Top-Verdiener bekam demnach 2008 im Schnitt 57 300 Euro – achtmal so viel wie das unterste Zehntel, das auf 7400 Euro kam. In den neunziger Jahren lag das Verhältnis noch bei sechs zu eins, aktuell liegt das OECD-Mittel bei neun zu eins.

Die wachsende Ungleichheit geht vor allem darauf zurück, dass die Löhne von Gutverdienern stärker gestiegen sind als die von Geringverdienern. Zudem nehme Teilzeitarbeit weiter zu, ebenso die Zahl der Ein-Personen-Haushalte und der Alleinerziehenden. Hinzu kommt, dass der Staat eine Umverteilung von Arm zu Reich vornahm: 2008 verminderten Steuern und Abgaben die Ungleichheit um 29 Prozent – das waren aber vier Prozentpunkte weniger als 2000. Zudem reduzierte der Staat seine Leistungen. Und immer mehr Paare aus gleichen Einkommensgruppen tun sich zusammen, das Modell „Chefarzt heiratet Krankenschwester“ ist laut OECD auf dem Rückzug.

„Zunehmende Ungleichheit schwächt die Wirtschaftskraft eines Landes, sie gefährdet den sozialen Zusammenhalt und schafft politische Instabilität“, warnte OECD-Generalsekretär Angel Gurría. Er forderte, mehr für die Bildung zu tun, aber auch die Steuern für Besserverdienende zu erhöhen – etwa durch höhere Sätze auf Einkommen, Vermögen und Grundbesitz. brö

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