Deutschland zieht Europa : Das Wachstum erlahmt

Die deutsche Wirtschaft ist im Sommer nur um 0,3 Prozent gewachsen. Ausgerechnet der Export kommt nicht in Schwung. Die EU-Kommission dürfte das aber nicht besänftigen.

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Ein Bauarbeiter lässt sich auf einer Betonpumpe stehend von einem Kran in die Höhe ziehen.
In die Höhe. Allein die Inlandsnachfrage hat im Sommerquartal hierzulande für Wachstum gesorgt - etwa die Bauwirtschaft.Foto: dpa

Am Mittwoch noch stand Deutschland wegen seiner starken Außenwirtschaft noch am Pranger der Europäischen Union – am Donnerstag meldeten die Statistiker ausgerechnet auf diesem Feld eine Schwäche: Wegen schwacher Exporte und anziehender Importe ist die deutsche Wirtschaft im Sommer nur noch wenig gewachsen. Gegenüber dem Frühjahrsquartal erhöhte sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwischen Juli und Ende September um 0,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Zwischen April und Ende Juni hatte es noch eine Zunahme um 0,7 Prozent gegeben. Damals hatten die Unternehmen ihren Rückstand aus dem Winter wettgemacht. Für die kommenden Monate rechnen Wirtschaftsforscher mit einer leichten Belebung der Konjunktur. „Die Erholung geht weiter, sie bleibt aber moderat - mehr kann man angesichts der weiter fragilen Lage in Europa wohl auch nicht erwarten,“ sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner.

Allein die Binnennachfrage – also die Einkäufe der privaten Haushalte und des Staates sowie die Investitionen der Firmen – haben im dritten Quartal das Wachstum getragen. Ein Widerspruch zur Untersuchung des deutschen Außenhandelsüberschusses, die die EU-Kommission eingeleitet hat, ist die neue BIP-Zahl nicht unbedingt. Schließlich geht es nur um einen Einzelwert, zudem hat das Statistikamt die absolute Höhe der Exportzahlen noch nicht mitgeteilt. Brüssel sorgt sich, dass das anhaltend hohe Plus beim deutschen Export die Wirtschaft auf dem Kontinent destabilisieren könnte.

Eine grundlegende Erholung des Euro-Raums steht noch aus. Insgesamt legte die Wirtschaft nur um 0,3 Prozent zu, vor allem wegen des deutschen Beitrags. Schlecht schnitten die Franzosen ab, hier schrumpfte das BIP um 0,1 Prozent. In Italien ging es in der gleichen Größenordnung bergab. Dagegen ließ Spanien die Rezession hinter sich und meldete 0,1 Prozent Wachstum. Portugal schaffte sogar 0,2 Prozent. Überraschend gut präsentierte sich Großbritannien, das eine um 0,8 Prozent höhere Wirtschaftsleistung notierte.

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