Wirtschaft : Deutschlands beliebtester Club macht die besten Geschäfte

Der Allgemeine Deutsche Automobilclub ADAC wird 100 Jahre – Doch die Mitglieder finanzieren mit ihren Beiträgen längst einen Dienstleistungskonzern

Nicole Adolph

München. Die Deutschen sind unzufrieden – mit ihren Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und öffentlichen Institutionen. Sie vertrauen nur Einem. Und das ist der Automobilclub ADAC, sagen jedenfalls jüngste Umfragen. Der Verein, der am Wochenende sein 100-jähriges Bestehen feiert, wurde von 25 Motorradfahrern gegründet und hat inzwischen mehr als 14,6 Millionen Mitglieder. Und die setzen nicht nur auf den Pannenhelfer ADAC. Der Club hat sich längst zu einem Dienstleistungskonzern gewandelt.

Der ADAC verkauft Schutzbriefe, Versicherungen, Reisen, Kfz-Zubehör und versorgt Radiostationen mit Stauinformationen. Außerdem vermietet er Autos, verlegt Bücher und Straßenkarten, betreibt Luftrettung mit 35 Hubschraubern und richtet Motorsportrennen aus. Weil sich der ADAC als eingetragener Verein nicht wirtschaftlich betätigen darf, sind die kommerziellen Aktivitäten seit 1981 in der Tochtergesellschaft Beteiligungs- und Wirtschaftsdienst GmbH gebündelt.

Die Holding, die mit Gemeinnützigkeit nichts zu tun hat, machte 2001 einen Umsatz von rund 730 Millionen Euro. Der Hauptteil stammt dabei aus den Euro-Schutzbriefen, die der ADAC mit der Mitgliedschaft anbietet. Den Gewinn der Holding parkt der ADAC nach Angaben von Pressesprecher Peter Hemschik in Rücklagen. Die Mitgliedsbeiträge des Vereins – die ursprüngliche Einnahmequelle des ADAC – machten 2001 gut 484 Millionen Euro aus. Damit finanziert der ADAC vor allem seinen Pannendienst, die Clubzeitschrift „Motorwelt“ und die juristische und technische Beratung. Die Club-Mitglieder zahlen aber auch für die Finanzierung von prestigeträchtigen Motorsportveranstaltungen, in vereinseigene Camping- und Bootsliegeplätze, den Betrieb eines eigenen TV-Studios und die großzügigen Firmenzentralen, die sich die 18 Gaue des ADAC leisten. Am Hauptstandort München entsteht gerade eine 75 000 Quadratmeter große Verwaltungszentrale. Kostenpunkt: mindestens 200 Millionen Euro.

Kritikern ist die Umtriebigkeit des mächtigen Clubs seit langem ein Dorn im Auge. Sie bemängeln vor allem, dass die Expansionsgelüste des ADAC letztlich auch auf Kosten der Mitglieder gehen. Der seit zwei Jahren amtierende ADAC-Präsident Peter Meyer lässt derlei Kritik nicht gelten und beruft sich auf die Verbraucherfreundlichkeit und Kundenorientierung des ADAC. „Wir wollen der führende Dienstleister auf dem Gebiet der Mobilität werden.“ Dabei hat der gelernte Spediteur die nächsten Schritte schon vor Augen: Noch in diesem Jahr soll der ADAC auch in das Geschäft mit Finanzdienstleistungen einsteigen und beispielsweise als Kreditgeber beim Autokauf oder bei der Finanzierung des Führerscheins fungieren.

Der Expansionsdrang von Deutschlands beliebtestem Club stößt auch in der Wirtschaft nicht nur auf Gegenliebe. Vor allem den Versicherern ist der ADAC ein Dorn im Auge. Schließlich wildert er seit Jahren in ihrem Garten: Zuerst mit der Rechtsschutz- und Reiseversicherung, dann beim Auslandskrankenschutz und den Kasko-Versicherungen. Und das alles unter dem Mantel des gemeinnützigen Vereins. Wenn der ADAC nun noch auf den Markt der Finanzdienstleister drängt, wird sich dieser Wettbewerb weiter verschärfen

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