Wirtschaft : Deutschlands Halbleitermarkt ist weiter auf Wachstum eingestellt

HANNOVER (rtr).Der Weltmarkt für Mikrolektronik wird sich nach Branchenschätzungen trotz der Asienkrise bis 2003 auf 265 Mrd.Dollar verdoppeln.Bis dahin rechne der Verband der Elektrotechnik (VDE) mit jährlichen Wachstumsraten von 16 Prozent, hieß es in einer am Montag auf der Hannover Messe vorgestellten Trendanalyse.Dabei werde der japanische Anteil am Weltmarkt weiter zurückgehen.Dagegen würden Amerika und Europa ihre Anteile von 1998 rund 33,0 und 23,4 Prozent halten.Die Region Asien/Pazifik werde auf Kosten von Japan mit einem Anteil von rund 26 Prozent (1998: 23 Prozent) global auf den zweiten Rang vorrücken.Japan werde hingegen von 20,6 auf 18 Prozent absinken.

Trotz der guten wirtschaftlichen Aussichten schlug der VDE-Vorsitzende Rolf Windmöller Alarm.In einigen Bereichen wirke der Nachwuchsmangel an Ingenieuren bereits als Wachstumsbremse.Europaweit seien derzeit 500 000 Stellen nicht besetzbar."Das Problem wird negiert", sagte Windmöller.Die Zahl der Studienanfänger sei auf 30 Prozent des Niveaus der 90er Jahre gesunken."Die Situation wird sich drastisch verschlechtern.Es werden die Leute fehlen, mit denen wir den Schritt in die Zukunft wagen können." Werde der Abwärtstrend nicht gebrochen, könne es zu einem massiven Schaden für den Wirtschaftsstandort Deutschland kommen, wenn die Zukuftstechnologien abwanderten.

Im vergangenen Jahr ging der Halbleitermarkt den Angaben zufolge um mehr als acht Prozent zurück.Unter den vier Weltregionen habe lediglich Europa einen Zuwachs von einem Prozent verzeichnet, hieß es.Dagegen sei Japan um 19 Prozent eingebrochen.Die USA hätten mit fast zehn Prozent einen doppelt so hohen Rückgang wie die Krisenregion Asien/Pazifik mit vier Prozent verzeichnet.

Europa rückte unterdessen im vergangenen Jahr auf zum zweitgrößten Mikroelektronik-Verbaucher weltweit.Wertmäßig kommen 81 Prozent weltweit eingesetzter Chips aus amerikanisch und japanisch kontrollierter Produktion.Jeder elfte Chip stammt mittlerweile wertmäßig aus europäisch kontrollierter Fertigung.Europa habe in den vergangenen Jahren bei den Chips zur Weltspitze aufschließen können.So seien inzwischen unter den zehn wichtigsten Chipherstellern der Welt auf den Plätzen acht, neun und zehn europäische Unternehmen.

Größter Chipverbraucher blieb im vergangenen Jahr dem VDE zufolge mit 47 Prozent (1997: 49 Prozent) die Datentechnik.Größter Wachstumsträger sei die Automobilelektronik, die rund um den Globus um elf Prozent zugelegt habe.In Deutschland wuchs diese Sparte nach den Branchenangaben sogar um 34 Prozent oder 800 Mill.DM.Für den deutschen Halbleitermarkt erwartet der Verband der Elektrotechnik in den kommenden fünf Jahren ein Wachstum auf 26,6 Mrd.DM nach 12,5 Mrd.DM im vergangenen Jahr.Den höchsten absoluten und prozentualen Zuwachs werde es mit 4,5 Mrd.beziehungsweise 110 Prozent in der Datentechnik geben, gefolgt von 3,1 Mrd.in der Telekommunikation und 2,8 Mrd.in der Automobilelektronik.Einen vergleichsweise geringen Zuwachs erwartet der VDE dagegen in der Konsumelektronik mit einem Plus von 300 Mill DM.Deutschland konnte sich dank seiner homogenen Industriestruktur in allen Marktsektoren für Mikroelektronik verbessern.Die Automobilelektronik legte im vergangenen Jahr um 34 Prozent zu, die Haushaltselektronik sogar um 43 Prozent.

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