Wirtschaft : Deutschlands Kinder naschen im XXL-Format Hersteller lehnen kleinere Schokoriegel ab

Maren Peters

Berlin - Wenn Briten Lust auf einen großen Marsriegel haben, dann müssen sie vielleicht bald nach Deutschland fahren. Denn in England haben die Süßwarenhersteller sich dem Druck der Politik gebeugt – und nehmen XXL-Schokoriegel in Königsgröße aus den Supermarktregalen. Außerdem haben sie versprochen, den Fett-, Zucker- und Salzgehalt ihrer Süßigkeiten zu verringern.

Die Goodwill-Aktion der Hersteller ist eine Reaktion auf den Druck der britischen Regierung. Die hatte damit gedroht, Zwangsmaßnahmen wie eine Fettsteuer einzuführen, wenn die Schokoriegelhersteller nicht von sich aus ihre Kalorienbomben entschärften. Hintergrund: In Großbritannien werden Kinder und Jugendliche – wie in allen großen westlichen Gesellschaften – immer dicker, weil sie sich immer ungesünder ernähren und immer weniger bewegen. Auch in Deutschland ist nach Erkenntnissen von Verbraucherministerin Renate Künast (Grüne) jedes dritte Kind zu dick und jedes siebte sogar zu fett. An diesem Mittwoch startet sie gemeinsam mit der Ernährungsindustrie, Krankenkassen und Sportverbänden eine Aktion „Ernährung und Bewegung“.

Doch: „Kleinere Schokoriegel wird es in Deutschland sicher nicht geben“, sagte Peter Traumann, Vorsitzender des Bundesverbandes der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE). Zwar überlegt der Nahrungsmittelkonzern Nestlé nach Informationen des Tagesspiegel ernsthaft, Großpackungen zu verkleinern. Auch die anderen Unternehmen der Nahrungsmittelbranche stünden solchen Aktionen aufgeschlossen gegenüber, sagt Ferdinand Haschke, Geschäftsführer der Nestlé- Tochter Nutrition. Das Problem sei aber der Lebensmittelhandel, der die Großpackungen besser verkaufen könne. „Große Verpackungsformen werden nicht vom Markt genommen“, sagte auch eine Sprecherin des Mars-Produzenten Masterfood.

„Die Politik muss mehr Druck machen“, fordert Angelika Michel-Drees von der Verbraucherzentrale Bundesverband. Solange die Regierung Herstellern und Handel nicht mit Sanktionen drohen will, würden die weder ihre Rezepte noch die Größe der Packungen ändern. Das aber lehnt Künast ab: Die Verbraucherministerin hat unliebsame Erfahrungen mit Vorschlägen dieser Art gemacht. Als sie in diesem Frühjahr beispielsweise öffentlich nach einer Currywurst-Steuer rief, um ungesunde Lebensmittel teurer zu machen, musste sie den Vorschlag nach massivem Protest der Industrie wieder einsammeln. Seitdem ist es ruhig geworden um die Fettsteuer. „Wir hätten sofort eine Debatte um die Summe, nicht aber um die Sache“, sagte Verbraucherministerin Künast unlängst in einem Interview.

„Zucker und Fett sind Geschmacksträger“, sagte Haschke von Nestlé. „Wenn wir das Produkt zu sehr verändern, gefällt es den Konsumenten nicht mehr.“ Zwar sei es technisch möglich, den Fettund damit Kaloriengehalt in Schokolade zu senken, aber wenn das neue Produkt den Testessern nicht schmecke, komme es auch nicht auf den Markt. „Es gibt zurzeit keine Überlegungen, den Fett- und Zuckergehalt der klassischen Produkte zu verändern“, heißt es auch bei Masterfood. Und auch Ferrero will nicht freiwillig handeln. „Wir warten erstmal die Diskussion ab“, sagte Dietmar Kendziur, der Geschäftsführer von Ferrero Deutschland. Und Kendziur ist auch Chef des Bundesverbandes der Deutschen Süßwarenindustrie.

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