Wirtschaft : Deutschlands Manager kaufen jetzt die eigenen Aktien

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Frankfurt am Main - Deutschlands Vorstände, Aufsichtsräte sowie deren Angehörige haben in den vergangenen Wochen so stark in Aktien ihres Unternehmens investiert wie zuletzt Anfang September 2003. Das geht aus Berechnungen des Forschungsinstituts für Asset Management (Fifam) an der RWTH Aachen hervor, die dem „Handelsblatt“ vorliegen. Das Insider-Barometer ist demnach auf 131,09 Punkte gestiegen. Noch vor zwei Wochen lag es bei 113 Punkten, vor vier Wochen bei 100 Punkten. „Die Firmeninsider haben den Kursrutsch so massiv wie vorher lange nicht zum Einstieg genutzt“, sagt Fifam-Experte Olaf Stotz.

Das „Handelsblatt“ veröffentlicht den Index alle zwei Wochen in Zusammenarbeit mit der Commerzbank Private Banking. Auch Insider dürfen Aktien kaufen und verkaufen – allerdings unter wesentlich strengeren Bedingungen als Personen, die kein besonderes Wissen über eine Aktiengesellschaft haben. Verboten sind nur der Kauf oder Verkauf von Aktien, bei denen der Insider einen Informationsvorsprung zu seinen Gunsten ausnutzt. Tatsächlich haben viele Insider den Kursrutsch bis unter 5300 Punkte zu Käufen genutzt. Die Kurserholung seither bis auf 5700 Punkte gab ihnen Recht. Trotzdem nutzen noch immer viele Vorstände die Gelegenheit. Damit bestätigen sie den Trend, den viele Banken für das zweite Halbjahr erwarten. Zehn von 15 befragten Instituten halten dann Dax-Stände von 6000 Punkten und mehr für möglich. Unter den größten Einzelpositionen zeigte sich, dass es kaum noch zu Verkäufen kommt. Einzig beim Dax-Wert Schering gab es mehrere Insider-Verkäufe von zusammen 2,5 Millionen Euro, die alle in Zusammenhang mit der Übernahme des Konzerns durch Bayer standen.

Dafür gab es umso mehr Käufe, vor allem bei kleinen und mittleren Werten aus M-Dax und S-Dax. Deren Kurse hatten besonders gelitten, weswegen jetzt umso kräftiger zugegriffen wird. Den Spitzenplatz nimmt der im S-Dax notierte Direktmarketing-Spezialist Schlott-Gruppe ein. Nach einer Gewinnwarnung Ende Juni, nach der die Aktie um mehr als 20 Prozent fiel, stiegen Aufsichtsratsmitglied Joachim Kohm für über 300 000 Euro und weitere Manager mit 225 000 Euro ein. Analysten der Commerzbank halten die Aktie trotzdem nur für Anleger mit Langfristperspektive für interessant. „Kurz- bis mittelfristig rechnen wir eher nicht mit positiven Überraschungen“, urteilen die Fachleute.scc/HB

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