Wirtschaft : Deutschlands Mittelständler sind so pessimistisch wie nie zuvor

fw/asi

Deutschlands Mittelständlern geht es so schlecht wie selten zuvor. "Der Mittelstand befindet sich in der Krise", sagte Helmut Rödl, Hauptgeschäftsführer der Auskunftei Creditreform, die jeden Frühling über 5000 Mittelständler zu ihrer Lage befragt. 45 Prozent der Unternehmen hätten rückläufige Umsätze verzeichnet, das seien 9,5 Prozent mehr als 2001. "Im Mittelstand herrscht Pessimismus". Die guten und sehr guten Beurteilungen zur Geschäftslage seien auf dem tiefsten Stand seit sieben Jahren. Im Jahr 2001 waren es noch 24,4 Prozent, jetzt seien es 35 Prozent. Als mangelhaft und ungenügend stuften jetzt 21,2 Prozent die Lage ein, im Vorjahr seien es noch 16,7 Prozent gewesen.

Von der einstigen Jobmaschine Mittelstand darf sich die Bundesregierung dieses Jahr nichts erhoffen. Impulse für eine Belebung des Arbeitsmarktes seien nicht zu erwarten, sagte Rödel. Nur knapp jeder sechste Betrieb wolle neue Stellen schaffen, jeder Fünfte habe dagegen vor, welche zu entlassen. Auch die kommenden Monate werden nicht besser. Umsatzsteigerungen bis zum Herbst erwarten nur 33,3 Prozent der Betriebe, 2001 waren es noch 38,4 Prozent. Mit rückläufigen Umsätzen rechnen mehr Unternehmer als im letzten Jahr. Auch bei den Insolvenzen macht die Hiobsbotschaft nicht halt: "Die Zahl wird mit 40 000 einen neuen Höchststand erreichen", kündigte Rödl an.

Die Ankündigung von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), im Fall eines Wahlsieges eine neue Mittelstandsbank zu gründen, um die Kreditsituation der Unternehmen zu verbessern, ist derweil auf breite Kritik bei Banken und Politikern gestoßen. Christoph Pleister, Präsident des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken, sagte, eine solche Bank könne die Probleme nicht lösen. Die vorhandene Struktur der deutschen Kreditlandschaft decke alle Bereiche ab. Auftretende Finanzierungsengpässe sollten banktechnisch und nicht politisch gelöst werden. Der Wirtschaftsexperte der FDP-Bundestagsfraktion, Rainer Brüderle, nannte Schröders Pläne "ein durchsichtiges Wahlkampfmanöver". Bereits vor einigen Wochen hatte Bundeswirtschaftsm inister Werner Müller (parteilos) gesagt, er denke über die Einrichtung einer eigenen Bank nach, falls sich die Kreditsituation vor allem kleiner Unternehmen in Deutschland nicht nachhaltig verbessern würde.

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