Wirtschaft : Deutschlands Rentner erwartet ein mageres Jahr

sm/HB

Die gesetzlichen Renten steigen zum 1. Juli 2002 voraussichtlich um 2,2 Prozent in den alten und um 2,4 Prozent in den neuen Bundesländern. Das sagte der Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Rentenversicherungsträger (VDR), Franz Ruland, dem Handelsblatt. Die Erhöhung fällt damit um über ein Drittel geringer aus, als dies ohne die Rentenreform von Arbeitsminister Walter Riester (SPD) der Fall gewesen wäre. Bei vielen Rentnern wird die Steigerung des ausgezahlten Nettobetrags zudem durch höhere Krankenkassenbeiträge geschmälert.

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Berechnungsgrundlage für die Rentenanpassung 2002 "ist die derzeit angenommene durchschnittliche Entgeltsteigerung im Jahr 2001 in Höhe von zwei Prozent in den alten und von 2,2 Prozent in den neuen Bundesländern", erläuterte Ruland. Darüber hinaus werde der Rückgang des Beitragssatzes zur Rentenversicherung von 19,3 Prozent im Jahr 2000 auf 19,1 Prozent im Jahr 2001 berücksichtigt. Dieser wirke sich nach der neuen Rentenanpassungsformel steigernd auf die Renten aus. Geringfügige Änderungen an der Prognose könnten sich noch ergeben, wenn das Statistische Bundesamt im Frühjahr die Lohnentwicklung im Jahr 2001 amtlich feststellt, erläuterte Ruland.

Insgesamt hat die im Mai 2001 verabschiedete Rentenreform einen dämpfenden Effekt auf die Rentenerhöhung und damit eine entlastende Wirkung auf den Beitragssatz: Nach der früher angewendeten NettoAnpassungsformel würden die Renten im Juli 2002 in den alten Ländern um 3,7 Prozent und in den neuen Ländern um 3,75 Prozent steigen, rechnete Ruland vor.

Die Differenz zur tatsächlichen Anpassung entsteht dadurch, dass die alte Formel auf die Entwicklung der Nettoeinkommen der Arbeitnehmer Bezug nahm: Die Rentner hätten nicht nur von Lohnerhöhungen profitiert, sondern zugleich von Steuerentlastungen der Arbeitnehmer im Gefolge der Steuerreform. Um dies zu vermeiden, hatte die Regierung allerdings schon im Jahr 2000 die Renten ausnahmsweise gemäß der Inflationsrate des Vorjahres um 0,6 Prozent erhöht. In diesem Jahr belief sich die Rentenanpassung auf 1,91 Prozent (West) und 2,11 Prozent (Ost). Im neuen Jahr wird wegen steigender Krankenkassenbeiträge deutlich weniger zusätzliches Geld in die Taschen vieler Rentner fließen als nun vom VDR errechnet. Im Schnitt wird die Rentenerhöhung dadurch netto um 0,2 Prozentpunkte niedriger ausfallen. Wer einer Kasse angehört, die bis zum 1. Januar 2002 den Beitrag überdurchschnittlich erhöht hat, muss mit noch stärkeren Einbußen rechnen. Von 2003 an wird die Rentenreform noch stärker greifen. Dann werden die jährlichen Rentenerhöhungen zusätzlich um 0,5 Prozentpunkte abgesenkt. Damit sollen Beiträge, die Arbeitnehmer künftig für die geförderte Zusatzrente aufbringen, berücksichtigt werden.

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