Wirtschaft : DG Bank: Streit um die Macht

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Die DG Bank und die GZ-Bank geraten bei ihrer geplanten Fusion zum neuen Spitzeninstitut des Genossenschaftslagers in Zeitnot. Wollen sie den vorgesehenen Zeitplan einhalten, müssen die beiden Institute spätestens am Sonntag eine Entscheidung über die finanziellen Modalitäten des Zusammenschlusses treffen. Dann tagt der gemeinsame Aktionärsausschuss. Strittig ist nach wie vor die Bewertung beider Häuser und damit die künftige Beteiligung an der DZ Bank, die rückwirkend zum 1. Januar 2001 gegründet werden soll. Längst gehen Beobachter allerdings davon aus, dass die kleinere GZ-Bank den größeren Anteil ergattern und damit mehr Macht und Einfluss haben wird. Das hängt in erster Linie mit der schweren Ertragskrise der DG Bank und ihren großen Problemen im Kreditgeschäft zusammen. Christopher Pleister, Präsident des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) und Chef des DG-Bank-Aufsichtsrates, warnt vor einem Scheitern der Fusion. Das wäre "gravierend".

Hintergrund der jüngsten Differenzen um die Bewertung der beiden Häuser sind neu aufgedeckte Kreditrisiken bei der DG Bank, auf die Wirtschaftsprüfer in der vergangenen Woche hingewiesen haben. Danach besteht ein akuter Vorsorgebedarf in Höhe von einer Milliarde Mark. Die DG Bank hat diese Risiken eingeräumt, zugleich aber darauf hingewiesen, dass dies das Ergebnis des Jahres 2000 nicht beeinträchtigen werde. Dies sei ein "mögliches Gefährdungspotenzial", das "unter ungünstigen Umständen" über mehrere Jahre verteilt das Ergebnis beeinträchtigen könnte.

Fakt ist gleichwohl, dass die DG Bank als einer der größten Kreditgeber in der Landwirtschaft gerade in den vergangenen Monaten neue Probleme bekommen hat, weil etliche Landwirte durch die Folgen der Rinderseuche BSE und der Maul- und Klauenseuche Zahlungsschwierigkeiten haben. Bereits im vergangenen Jahr hatte sich der Vorsorgebedarf der Bank auf rund 1,75 Milliarden Mark vervierfacht. Auch das Ergebnis des ersten Quartals war enttäuschend. Die DG Bank sei an der Grenze zum Sanierungsfall, heißt es in Finanzkreisen. GZ-Bank-Chef Ulrich Brixner, der künftig auch die neue DZ Bank leiten wird, und Aktionäre seines Hauses wollen sich aufgrund dieser Lage angeblich die Mehrheit an der neuen Bank sichern. Von einer gleichberechtigten Partnerschaft ist längst keine Rede mehr.

Bei den künftigen Besitzverhältnissen geht es nicht nur um Geld, sondern vor allem auch um die Macht in der DZ Bank und im Genossenschaftslager. Allerdings ist die Entscheidung über die Bewertung schon deshalb nicht einfach, weil auch die GZ-Bank mit 18 Prozent an der DG Bank beteiligt ist und damit auch Nachteile einer geringeren Einstufung des Fusionspartners in Kauf nehmen müsste.

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