Wirtschaft : DGB-Chef droht mit Flächenbrand

Auftakt des Verdi-Bundeskongresses in Berlin – Sommer warnt vor Eingriff in Tarifautonomie

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Berlin (alf). Die Gewerkschaften verschärfen den Ton in der Auseinandersetzung um die Sozialpolitik. Von einer „staatlich verordneten Lohnkürzung“ sprach Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, mit Blick auf künftig privat zu finanzierenden Zahnersatz. Bei der Eröffnung des VerdiBundeskongresses in Berlin drohte Sommer am Sonntag mit einem „Flächenbrand“, falls die Politik auf dem Gesetzesweg Abweichungen vom Tarifvertrag ermöglichen sollte. „Wer die Tarifautonomie angreift, erschüttert dieses Land.“

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der ein Grußwort zu den gut 1000 Delegierten sprach, wurde immer wieder von Buh-Rufern unterbrochen, als er um Verständnis für den „unverzichtbaren Reformprozess“ warb. Als der Sozialdemokrat Wowereit an die Gewerkschafter appellierte, „wir müssen uns an gemeinsame Wurzeln erinnern“, reagierten die Delegierten mit Pfiffen und Gelächter.

Zum Auftakt des einwöchigen Kongresses hatte die Vorsitzende des Verdi-Gewerkschaftsrates, Margret Wendt, die Politik daran erinnert, „dem Gemeinwohl verpflichtet zu sein und nicht ausschließlich dem Kapital“. Verdi-Chef Frank Bsirske warf den Arbeitgeberpräsidenten Dieter Hundt und Michael Rogowski vor „unser Fundamt untergraben zu wollen“. Doch die Gewerkschaften würden dafür sorgen, „dass dies vergebliche Mühe ist“. Die „Ideale der Arbeiterbewegung leiten uns weiter“, sagte Bsirske.

Der Regierende Bürgermeister Wowereit bekannte sich ausdrücklich zu den Gewerkschaften. „Ohne starke Gewerkschaften hätten wir keinen sozialen Frieden in unserer Republik“, sagte er. Die Arbeitnehmerorganisationen müssten sich allerings den veränderten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedingungen anpassen, andernfalls könnten sie „absterben“. Wowereit bedankte sich ausdrücklich für den Tarifkompromiss im Berliner öffentlichen Dienst, der im vergangenen Sommer mit Verdi verabredet worden war. Bis zum Jahr 2009 gibt es für die öffentlichen Bediensteten zwischen acht und zwölf Prozent weniger Geld, in der gleichen Größenordnung sinkt die Arbeitszeit. „Ich hätte nicht gedacht, dass das möglich ist“, würdigte Wowereit den Tarifvertrag.

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