DGB Rechtsschutz GmbH : Eine Gewerkschaft bestreikt sich selbst

Mitarbeiter der DGB Rechtsschutz GmbH demonstrierten vor der DGB-Zentrale in Berlin. Ihr Arbeitgeber hat ihnen eine Lohnerhöhung von 0,9 Prozent angeboten. Die Arbeitnehmer fordern jedoch 6,5 Prozent.

Luisa Degenhardt
Warnstreik vor dem DGB am Hackeschen Markt in Berlin-Mitte.
Warnstreik vor dem DGB am Hackeschen Markt in Berlin-Mitte.Luisa Degenhardt

Berlin - So etwas gab es noch nie: Eine Gewerkschaft, die sich quasi selbst bestreikt. Es geht, wie sonst auch bei Arbeitskämpfen, ums Geld. Die DGB Rechtsschutz GmbH, eine Tochter des DGB, hat ihren Beschäftigten 0,9 Prozent mehr Lohn angeboten – viel zu wenig, finden die Mitarbeiter, die 6,5 Prozent fordern. Am Dienstag demonstrierten sie vor der DGB-Zentrale in Berlin.

„Ich empfinde das als eine persönliche Beleidigung vor dem Hintergrund, dass viele von uns freiwillig unbezahlte Überstunden leisten“, sagte Martin Kühtz, der extra aus Hagen angereist war. Ein paar Hundert der 700 Beschäftigten der Rechtsschutz GmbH beteiligten sich an den Protesten. Verhandlungsführer Gerd Denzel wies das Angebot der Arbeitgeber zurück. „Das ist deutlich unter der Inflationsrate. Wir wollen, wie Michael Sommer so schön sagt, einen Reallohngewinn haben.“ Der DGB und DGB-Chef Sommer sehen sich aber nicht als Adressat für die Tarifforderungen der Mitarbeiter des Rechtsschutzes, da dieser sich in einer eigenständigen GmbH befinde.

In jedem Fall sind die Fronten zwischen der GmbH-Geschäftsführung und den GmbH-Mitarbeitern, die bei Verdi und im Verband der Gewerkschaftsbeschäftigten (VGB) organisiert sind, verhärtet. „Als Nestbeschmutzer hat man uns bezeichnet“, sagte Helmut Wagner, Ortsvorsitzender von Verdi in Altötting. Und noch mehr Vorwürfe stehen im Raum. „Die sollen das uns zustehende Geld, das sie bunkern, rausrücken“, meinte Inka Lampmann aus der Verhandlungs- und Tarifkommission. Von Überschüssen der  Rechtsschutz GmbH im hohen zweistelligen Millionbereich war auf der Demonstration die Rede.

„Das sind Behauptungen, die wir in keinster Weise bestätigen können“, sagte Carsten Schuld, Justitiar der Rechtsschutz GmbH. Er verteidigte das bisherige Angebot des Arbeitgebers. Momentan lägen die Personalkosten bei über 78 Prozent. Es gebe keine Möglichkeit, mehr zu zahlen als die 0,9 Prozent, im Laufe des Jahres könnte sich das jedoch ändern.

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