DGB-Studie : Junge Migranten sind bei der Berufswahl doppelt benachteiligt

Junge Migranten in Deutschland haben große Probleme, nach der Schule eine Ausbildung oder Beschäftigung zu finden. Ursache sind in erster Linie durchschnittlich niedrigere Bildungsabschlüsse.

von

Aber "auch bei gleichen Abschlüssen, gleichem Engagement, trotz höherer Mobilität und Umzugsbereitschaft, finden sie seltener einen Ausbildungsplatz", wie aus einer Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes über "Jugendliche mit Migrationshintergrund: Am Arbeitsmarkt doppelt benachteiligt" hervorgeht. Denn, so die Vermutung der Autoren, das Migrantendasein selbst wird für viele zum Problem: Sie werden seltener zu Vorstellungsgesprächen eingeladen und haben weniger Netzwerke und Beziehungen, um in die Arbeitswelt einzusteigen.

"Das ist tragisch für jeden Einzelnen der jungen Menschen und ein großer Nachteil für uns alle", sagt Annelie Buntenbach, Mitglied des DGB-Bundesvorstandes, dem Tagesspiegel. "Wir können es uns nicht leisten, sehenden Auges Jugendarbeitslosigkeit zu produzieren, wenn auf der anderen Seite Fachkräfte fehlen werden." Jeder vierte Jugendliche im ausbildungsfähigen Alter hat einen Migrationshintergrund, das sind 2,3 Millionen der 9,5 Millionen 15 bis 25-Jährigen in Deutschland. Mehr als die Hälfte von ihnen sind deutsche Staatsbürger.

Ein guter Schulabschluss stellt die Weichen ins Berufsleben, wer keine Ausbildung erhält, findet schwerer einen Beruf. Aus der Tatsache, dass Migranten durchschnittlich niedrigere Schulabschlüsse erlangten, dürfe man nicht schließen, dass sie "dümmer wären, als ihre Altersgenossen", heißt es in der Studie, die dem Tagesspiegel vorliegt. Vielmehr stünden sprachliche und allgemeine Integrationsprobleme einem größeren Erfolg in der Schule entgegen.

Im internationalen Vergleich schneidet Deutschland schlecht ab

Internationale Vergleichsstudien hätten gezeigt, dass in Deutschland schulischer wie beruflicher Erfolg und Misserfolg in besonderem Maße vom Elternhaus abhinge: Häufig werden Verliererbiographien von einer Generation auf die nächste vererbt.

Mit 12,6 Prozent waren 2008 fast doppelt so viele Migranten erwerbslos, wie Nichtmigranten. Entsprechend hoch ist das generelle Risiko auf staatliche Hilfen angewiesen zu sein: Jeder dritte Jugendliche mit Migrationshintergrund lebte 2008 von Hartz IV. "Die doppelte
Benachteiligung an der ersten Schwelle setzt sich an der zweiten Schwelle meist fort", lautet das Fazit der Studie. 2008 hatte jeder dritte Migrant über 25 Jahren keinen Berufsabschluss, unter den Nichtmigranten war es nur jeder Elfte. "Als Sofortmaßnahme ist eine Qualifizierungsinitiative notwendig für die circa 1,5 Millionen Jugendlichen zwischen 20 und 30 Jahren, die noch ohne Berufsabschluss sind",fordert Buntenbach.

Doch auch hochqualifizierte Migranten finden seltener eine Anstellung. Im internationalen Vergleich schneidet nur Belgien genauso schlecht ab. Selbst im öffentlichen Dienst zeigt sich das gleiche Bild: Lediglich drei Prozent der jüngeren Angestellten sind Migranten, in anderen
Ländern sind es durchschnittlich zehn Prozent.

8 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben