DGB-Studie : Lehrlinge beklagen Überstunden und schlechte Ausbildung

Viele Auszubildende fühlen sich in ihren Betrieben nicht gut aufgehoben. Industriemechaniker werden in Deutschland nach Einschätzung der Lehrlinge zwar am besten ausgebildet, dagegen klagen Azubis in anderen Gewerben über erhebliche Ausbildungsmängel.

azubi
Wie gut die Ausbildung ist, hängt offenbar auch von der Branche ab. -Foto: dpa

BerlinDer Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) ging auch in diesem Jahr wieder der Frage nach, wie zufrieden junge Menschen mit ihrer Berufsausbildung sind. Befragt wurden bundesweit rund 4700 Auszubildende in den 25 häufigsten Lehrberufen. Die nicht repräsentative Studie zeigt, dass lange nicht alle Lehrlinge mit ihrer Ausbildung zufrieden sind. Im Gastronomie sowie im Bäcker- und Malerhandwerk fühlen sich die Lehrlinge besonders schlecht ausgebildet, wie aus der Studie hervorgeht.

Die Lehrlinge kritisieren vor allem Überstunden, mangelnde fachliche Anleitung und fehlende Aussichten auf eine Übernahme. So gaben 32 Prozent der Befragten an, nur "manchmal", "selten" oder "nie" fachlich angeleitet zu werden. 16 Prozent der Lehrlinge bemängelten, überwiegend Aufgaben erledigen zu müssen, die nicht zu ihrer Ausbildung gehören. 40 Prozent der Lehrlinge erklärten, dass sie regelmäßig Überstunden machen.

Gewerkschaft fordert mehr Übernahmen

Hinsichtlich einer Weiterbeschäftigung im Betrieb nach der Ausbildung konnte nur jeder fünfte der Befragten sicher sagen, nach der Lehre übernommen zu werden. Angesichts des von der Wirtschaft beklagten Facharbeitermangels nannte es DGB-Vize Ingrid Sehrbrock "nicht nachvollziehbar, warum nur so wenige Unternehmen ihren Auszubildenden eine berufliche Perspektive eröffnen". Die Gewerkschafterin appellierte an die Betriebe, mehr ausgebildete Jugendliche zu übernehmen. "Wenn es gar nicht anders geht, wenigstens für ein halbes Jahr. Sich aus einem bestehenden Arbeitsverhältnis zu bewerben ist allemal leichter als aus der Arbeitslosigkeit."

Aber es gibt auch Berufszweige, in denen die Lehrlinge sich bestens betreut fühlen. Neben den angehenden Industriemechanikern erteilten in der Erhebung auch die künftigen Kaufleute für Bürokommunikation und Bankkaufleute ihrer Ausbildung gute Noten. Und wer mit seiner Ausbildung unzufrieden ist, der hört auf, wie der Berufsausbildungsbericht der Bundesregierung zeigt: Jeder Fünfte bringt seine Ausbildung nicht zu Ende, sondern bricht sie vorzeitig ab. (imo/AFP/dpa)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben