Wirtschaft : DHL bindet Flughafen Leipzig ins Netz ein

MANFRED SCHULZE

BERLIN .Die Nachrichtenlage auf der Großbaustelle des Flughafens Leipzig / Halle war im vergangenen Jahr nicht immer die Beste: Obwohl man mit der Genehmigung und Realisierung der neuen Startbahn sowie des ICE-Bahnhofs rekordverdächtig schnell vorankam, blieb überraschender Weise die wichtigste Erfolgsmeldung aus: steigende Passagierzahlen.Doch nun scheint sich der mitunter ein wenig verkrampft wirkende Optimismus der Geschäftsführung wohl doch noch zu bestätigen.

Die Luftfracht, nachdem der "Sachsensterns" bei der Luftpost mehr eine Sternschnuppe war, galt lange Zeit als Sorgenkind.Nun konnte dieser Bereich im letzten Jahr bereits um rund 90 Prozent zulegen.Weil die Expressdienste UPS und TNT Leipzig in ihr Flugnetz einbanden und auch einige lukrative Sondercharter gewonnen werden konnten, flogen 6452 Tonnen von und nach Leipzig, fast exakt die zehnfache Menge gegenüber dem Jahr 1991.Dies sei freilich erst der Anfang, "denn Leipzig liege nicht nur im Zentrum Mitteldeutschlands, sondern wird ab dem Jahr 2000 auch die einzige 24 Stunden nutzbare Interkontinentalbahn Deutschlands haben", freut sich Volkmar Stein, Geschäftsführer der Flughafen GmbH.Dies bringe gerade für die Frachtversender in Richtung Asien entscheidende Vorteile, zumal andere Frachtzentren wie etwa Brüssel längst aus allen Nähten platzen.Um "die Lage in Berlin zu entspannen und unseren Kunden bis zu 2,5 Stunden günstigere An- und Auslieferungszeiten zu ermöglichen" hat nun auch DHL worldwide Express den Airport Leipzig/Halle mit einer Tagesrandverbindung angebunden, wobei die Fokker auf dem Weg zum Verteilzentrum in Brüssel aber noch in Köln einen Zwischenstopp einlegt.Zugleich kündigte Torben Sigenström von der DHL-Geschäftsleitung an, daß sein Unternehmen damit eine generelle Neustrukturierung des Luftfrachtnetzes einleite und weitere deutsche Flughäfen einbinden werde.Berlin, wo sich DHL in Schönefeld beim Bau einer neuen Frachthalle eingebracht habe, werde weiterhin entwickelt und habe bereits jetzt ein fast doppelt so hohes Sendungsaufkommen, wie der über Leipzig abgewickelte Südraum der neuen Bundesländer, wo pro Tag mit zunächst rund drei Tonnen Sendungsaufkommen gerechnet.Auch 1999 dürfte die Fracht damit am Leipziger Flughafen ihren Steigflug fortsetzen, "wenngleich sicherlich nicht auf ewig in diesem Tempo", wie Stein vorsichtig einschränkt.Dabei sind die Ausbaupläne in Leipzig mit dem Begriff ehrgeizig eher noch bescheiden beschrieben: zusätzlich zum unmittelbar benachbarten Güterverkehrszentrum werden 80 Hektar Fläche für die Frachtversender erschlossen, die Kapazität soll 130 000 Tonnen erreichen.

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