Wirtschaft : Dias trennen Spreu vom Weizen

Flachbettscanner wandeln Buchseiten, Geschäftsbriefe und Fotoabzüge in Bits und Bytes um. Und mit Hilfe der inzwischen obligatorischen Durchlichteinheit werden sie auch mit Dias und Negativen fertig. (02.06.2005, 09:18 Uhr)

Hannover - Für Fotoamateure liefern die Scanner aber nicht immer zufrieden stellende Ergebnisse. Bevor an der Kasse des nächsten Elektronikmarktes mehrere Hundert Euro für den neuesten Alles-Scanner den Besitzer wechseln, sollten Interessenten gut nachdenken, empfiehlt Jaroslav Smycek, Computerexperte der Verbraucherzentrale Niedersachsen in Hannover. Denn Ausgaben von bis zu 600 Euro für ein Top-Gerät lohnen sich nicht für jeden. Es komme darauf an, was mit einem Flachbettscanner überhaupt angestellt werden soll.

Besteht die Hauptaufgabe darin, gelegentlich einige Seiten zu kopieren und ein Fax wegzuschicken, genüge ein einfaches Gerät zu Preisen von maximal 150 Euro, erklärt Smycek. Sollen aber sämtliche Staub fangenden Akten des Heimbüros im virtuellen Aktenschrank des Rechners verschwinden, sollte das Gerät einen automatischen Blatteinzug haben und die Seiten schnell scannen können.

Entscheidend für die Arbeitseffizienz im Heimbüro ist auch die mitgelieferte Software: Gute OCR-Software zur Texterkennung ist in der Lage, einen digitalisierten Geschäftsbrief gleich im Word- oder PDF-Format abzuspeichern. Fehlt diese automatische Erkennung, wird der Scan nur als Bilddatei abgelegt. Das Ausfüllen eingescannter Formulare, die per Fax oder E-Mail versendet werden sollen, oder das Korrigieren eines Textes sind in diesem Format nicht möglich.

Ein weiteres Kriterium ist laut Jaroslav Smycek die Größe des Gerätes: Soll es mobil am Notebook betreiben werden, ist ein kleiner Scanner von Vorteil. Noch wichtiger ist in einem solchen Fall aber, dass das Gerät seinen Strom über den USB-Anschluss bezieht: Dann ist kein Stecker mehr notwendig.

Sollen hingegen kleine Dinge wie Dias oder Negative später als Ausdruck groß rauskommen und alle Farben und Helligkeitsabstufungen exakt wiedergeben, ist es unerlässlich, die Leistungsfähigkeit eines Scanners anhand der Auflösung und der Maximaldichte zu beurteilen. «Die Maximaldichte gibt an, wie gut ein Scanner die dunklen Stellen einer Vorlage darstellen kann», erklärt Peter Nonhoff-Arps von der in Hannover erscheinenden Fachzeitschrift «c't».

Der Kontrastumfang - der Helligkeitsunterschied zwischen dem hellsten und dem dunkelsten Bereich - ist bei Dias sehr viel größer als bei Fotovorlagen. Deshalb sollte der Wert der Maximaldichte des Scanners möglichst nahe an den theoretischen Maximaldichte-Höchstwert für Dias - dieser liegt bei «4» - heranreichen. Anderenfalls werden schattige Bereiche zu dunkel dargestellt. Für Ablichtvorlagen wie Fotoabzüge genügen laut Experte Nonhoff-Arps schon Maximaldichtewerte von «2».

Die Auflösung wird in dpi angegeben - in «dots per inch», zu Deutsch: «Punkte pro Zoll». Sie ist das Maß für die Genauigkeit des Scanners. 1000 dpi besagt zum Beispiel, dass ein Scanner eine Linie von einem Zoll - 2,54 Zentimeter - so genau einliest, dass sie auf dem Monitor von 1000 Bildpunkten dargestellt wird.

Von Versprechungen auf den Verpackungen - zum Beispiel «4800 dpi!» - sollten sich Käufer aber nicht täuschen lassen: «Tatsächlich wird nur die Hälfte bis zwei Drittel der Nennauflösung erreicht», sagt Nonhoff-Arps. Er hat in diesem Jahr bereits sowohl preiswerte als auch hochauflösende Flachbettscanner unter die Lupe genommen («c't»-Ausgaben: 03/2005, 10/2005). Den Tests zufolge liefern Geräte, deren Chip laut Hersteller 4800 dpi schafft, im Durchlichtbetrieb tatsächlich nur Scans mit maximal 1700 dpi. Das reicht, um ein Dia am PC zu betrachten oder im Format 13 mal 18 bei 300 dpi auszudrucken, aber nicht für DIN-A4-Poster. Für die Texterkennung und für Fotos, die im Auflichtmodus eingescannt werden, genügt nach Angaben von Nonhoff-Arps dagegen schon eine tatsächliche Auflösung von 300 dpi. Günstige Scanner für 100 bis 150 Euro mit einer Nennauflösung von 1200 dpi erledigen dies problemlos.

Die Zahlen der Hersteller beziehen sich ausschließlich auf die Leistungsfähigkeit des so genannten CCD-Sensors, erklärt Dieter Röther von Canon Deutschland in Krefeld. Über ein optisches System gelangt das Bild der Vorlage im Scanner auf den Sensor, wo es digitalisiert wird. Die theoretisch mögliche Auflösung wird dabei nicht erreicht, weil Linsen und Glasplatte dazwischen liegen.

Bei speziellen Dia- und Negativscannern befindet sich dagegen viel weniger Glas zwischen Vorlage und Sensor. Auch der Größenunterschied zwischen beiden ist nicht so groß wie bei einem Flachbettscanner. Die tatsächlich erreichte Auflösung ist bei solchen Geräten daher sehr viel höher - der Preis mit rund 700 Euro für die Einstiegsklasse allerdings auch. (Von Arnd Petry, dpa)

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