Wirtschaft : Dicke Fische zieren sich

Aktionäre bestehen darauf, die Regierung droht mit Gesetzen – Der Druck auf die Manager nimmt zu, ihre Einkommen offen zu legen

Dieter Fockenbrock,Maren Peters

Von Dieter Fockenbrock

und Maren Peters

Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke tritt die Flucht nach vorn an. Eine Debatte um sein Gehalt will er sich sparen. Deshalb nennt Ricke sein Einkommen freiwillig: 1,25 Millionen Euro fix – und wenn es gut läuft, kann sich der Betrag verdoppeln. Ricke liegt voll im Trend. Immer mehr Vorstände veröffentlichen ihre Bezüge. Nicht ganz freiwillig: Denn auf den Hauptversammlungen gibt es jetzt regelmäßig Streit um die Frage, ob das Management angemessen bezahlt oder ob abgezockt wird. Kleine Aktionäre, erst recht die Profis von den Fondsgesellschaften verstärken den Druck auf Offenlegung der Einkommen. Sie wollen überprüfen, ob die Manager auch ihr Geld wert sind.

Schon die Geheimniskrämerei der meisten Unternehmen um die Bezüge regt viele Aktionäre auf. Erst recht die Vermutung, dass „ihre“ Manager trotz roter Zahlen und katastrophaler Börsenkurse kräftig kassieren. Um das zu erkennen, brauchen sie Informationen. Die werden ihnen zumeist vorenthalten. Nicht nur Ricke ist es leid, dass ständig über sein Gehalt spekuliert wird. Auch die bisherige Doppelspitze der Softwareschmiede SAP, Henning Kagermann und Hasso Plattner, hat sich jüngst dem Drängen der Aktionäre gebeugt. Ricke muss nur noch seine Vorstandskollegen überzeugen, dass Transparenz die beste Strategie ist.

Volle Transparenz erwartet auch Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD). „Vorstandsgehälter müssen offen gelegt werden – nicht nur in der Summe, sondern einzeln.“ Und wenn die Corporate-Governance-Kommission unter Leitung des Thyssen-Krupp-Chefaufsehers Gerhard Cromme das nicht in ihrem Unternehmens-Kodex aufnimmt, droht Zypries mit einem Gesetz.

Schering-Chef Hubertus Erlen, der als erster deutscher Topmanager seine Bezüge auswies, lehnt Gesetze ab. Dem Tagesspiegel sagte der Pharmamanager: „In einer marktwirtschaftlichen Ordnung gehört dies wie alle anderen Corporate-Governance-Regeln in den klassischen Bereich der Selbstverpflichtung eines Unternehmens gegenüber seinen Aktionären und sollte nur vom Unternehmen selbst entschieden werden.“

In dieser Frage ist sich die 13-köpfige Kommission keineswegs einig. Trotzdem dürften die Regeln um die Soll-Offenlegung erweitert werden. Den Unternehmen bleibt nämlich eine Hintertür: Sie erkennen den Verhaltenskodex für eine gute Unternehmensführung im Grundsatz an, klammern aber den Gehaltsparagrafen einfach aus. Ein anderer Wunsch aus dem Hause Zypries wird dem Gremium weit größere Sorge bereiten. Die Ministerin denkt an eine Deckelung von Managergehältern (Caps) und erwartet Vorschläge der Cromme-Kommission. Diesen Wunsch dürften die Experten aber vollends ablehnen. Nach dem 21. Mai, dem nächsten Sitzungstermin der Kommission, wird Zypries deshalb wohl selbst prüfen, ob Höchstgrenzen für Managergehälter gesetzlich festgelegt werden sollen.

Für den Kienbaum-Vergütungsexperten Heinz Evers steht ohnehin fest: Zugeknöpfte Vorstände kommen auch ohne Gesetz unter Zugzwang. Vor allem, wenn sie zu hoch taxiert werden – wie Telekom-Chef Ricke. Laut Evers nennen zurzeit etwa 30 Vorstände von Aktiengesellschaften konkrete Zahlen, darunter erst acht dicke Fische aus dem Leitindex Dax.

Josef Ackermann, Vorstandssprecher der Deutschen Bank ist unangefochten in Führung: 6,9 Millionen Euro, davon aber nur eine Million als Festgehalt. Solche Zahlen lösen in Deutschland immer wieder Neiddebatten aus. Doch liegt der Durchschnitt der Dax-Unternehmen deutlich unter Ackermanns Niveau: 1,6 Millionen Euro per anno hat Kienbaum ausgerechnet – variable Bezüge eingerechnet. Immerhin ist das deutlich mehr als vor etwa fünf Jahren. Da kassierten die Manager nur die Hälfte davon.

Doch selbst wenn alle Vorstände ihre Bezüge offen legten, den Durchblick haben Aktionäre damit noch lange nicht. Optionen, Bezugsrechte und andere variable Gehaltsbestandteile sind oft so kompliziert, dass selbst Fachleute es nicht verstehen. Das ist Teil geschickter Vernebelungstaktik, klagt Evers. „Dabei wollen die Aktionäre doch nur wissen: Wie viel hat der auf der Steuerkarte?“

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