Wirtschaft : Dicke Luft im ersten Rang

Bei der BDI-Gala zur Amtseinführung des neuen Präsidenten gibt es Ärger mit der Platzierung/DGB-Chef Sommer geht

Alfons Frese

Berlin - Der Innenminister wäre beinahe geplatzt vor Wut, der DGB-Vorsitzende verschwand empört und der Arbeitgeberpräsident trug es einigermaßen gefasst. Mittwochabend im festlich eingerichteten Schauspielhaus am Gendarmenmarkt; der Bundeskanzler ist da, die Oppositionsführerin und viele wichtige Leute aus der Wirtschaft. Mit einer Gala feiert der Bundesverband der Deutschen Industrie einen Personalwechsel im Präsidentenamt. Die Stimmung ist gut, der Kanzler launig wie immer bei solchen Gelegenheiten und der neue Präsident bekommt ein Pferd geschenkt. Doch im ersten Rang ist dicke Luft. Als der DGB-Vorsitzende Michael Sommer bemerkt, dass sein Platz nicht im Parkett, sondern im ersten Stock liegt, vergeht ihm die gute Laune. Sommer verlässt das Schauspielhaus und verbringt den Abend bei einer Fotopreisverleihung in der Landesvertretung von Rheinland-Pfalz.

Otto Schily, Bundesinnenminister und mindestens ebenso empfindsam wie Sommer, nimmt Platz. Und lässt Dampf ab. Denn neben Schily sitzt Ludolf von Wartenberg, Hauptgeschäftsführer des gastgebenden BDI. Und der muss sich nun einiges anhören vom Innenminister, der sein Amt und die Person durch die Platzierung missachtet sieht. Beobachtern zufolge dauert es Minuten, bis Schily wieder zur Ruhe kommt.

Die erste Reihe im ersten Rang von links nach rechts: von Wartenberg, Schily, Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt und Sommer. Schily kocht, von Wartenberg beschwichtigt, Sommer ist gegangen und Hundt lässt sich nichts anmerken. Er weiß sich ja in guter Gesellschaft. Beim BDI heißt es, die Promis seien „oben und unten“, also auf Parkett und Rang mehr oder weniger gleichmäßig aufgeteilt worden. Den Eindruck von Galagästen, wonach sich die BDI-Leute die besten Plätze gesichert hätten, weist BDI-Sprecher Thomas Hüne zurück. Schließlich habe auch BDI-Vizepräsident Bernd Gottschalk, im Hauptamt Präsident des Verbandes der Autoindustrie, im Rang gesessen.

Und dennoch staunt auch in Wirtschaftskreisen so mancher über die Platzwahl, die im Büro des ausscheidenden BDI-Präsidenten Michael Rogowski getroffen wurde. Rogowski bekam zum Abschied einen Film, der „Rogo Royal“ heißt und in dem der Windsor-Berichterstatter Rolf Seelmann-Eggebert Frau Rogowski interviewt. Über die Kosten der Gala mit knapp 1000 Gästen gibt der BDI keine Auskunft.

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