Wirtschaft : Die A-Klasse: Stabilitätsprogramm für den Daimler-Kurs

Alfons Frese

Keine Angst mehr vor dem Elch, das kleinste Modell in der Mercedes-Familie hat sich vielmehr prächtig entwickelt. Das sah erst ganz anders aus. Als die A-Klasse vor drei Jahren auf die Straße kam, legte sie sich beim Elchtest auf die Seite. Der Spott kannte keine Grenzen, der Ausflug der Marke Mercedes in die Golf-Klasse schien gescheitert. Doch die Stuttgarter rüsteten den Kompaktwagen mit einem Stabilitätssystem auf und sind inzwischen etabliert. Gestern fuhr der 500 000. A-Klasse-Wagen aus der Fabrik.

Auch der Erfolg des Baby-Benz hat dazu beigetragen, dass inzwischen mehr als eine Million Mercedes im Jahr verkauft werden. Tendenz steigend. Spektakulär ist der aktuelle Erfolg auf dem "Heimatmarkt". Bis einschließlich August sind die Neuzulassungen auf dem deutschen Automarkt insgesamt um zwölf Prozent gesunken, aber gleichzeitig hat Mercedes 1,2 Prozent zugelegt; jedes zehnte Auto ist inzwischen ein Mercedes, die frühere Nobelmarke wird zum Volkswagen. An der Ertragssituation hat die für das Image nicht ungefährliche Erweiterung der Modellpalette nach unten bislang nicht gekratzt, die Gewinne halten mit den Rekorden bei Produktion und Absatz mit.

Allein, das tolle Geschäft findet sich nicht im Aktienkurs wider. Das ist bitter, zumal sich Jürgen Schrempp alle Mühe gibt, eine führende Kraftfahrzeugfirma zu bauen. Die schwierige Tochter Adtranz wird an Bombardier verkauft, die Dasa ist im Luftfahrtkonzern EADS aufgegangen und der Verlustbringer Smart kommt auch so langsam bei den Autofahrern an. Dagegen gibt es noch Unklarheiten in der Asienstrategie: Wie risikoreich sind die Partnerschaften mit Hyundai und Mitsubishi, wie kommt Daimler-Chrysler in China voran? Und wie stark kommt Chrysler in den USA unter Druck? Vielleicht beantwortet Elizabeth Wade diese Fragen. Ausgestattet mit langjähriger Erfahrung auf den Finanzmärkten ist Wade künftig für Investor Relations zuständig. Die Personalie hat sich Schrempp bei Ferdinand Piëch abgeguckt: Als der VW-Chef vor kurzem eine britische Fachfrau für die Investor Relations einstellte, zog der VW-Kurs an. Gestern hat das noch nicht funktioniert: Der Daimler-Chrysler-Kurs fiel weiter.

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