Wirtschaft : Die Abrechnung

Die Sparkassen haben die Landesbank Berlin 2007 viel zu teuer gekauft – jetzt wird drastisch abgeschrieben.

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Neuanfang. Die Landesbank wird zur reinen Stadtsparkasse. Foto: Kai-Uwe Heinrich
Neuanfang. Die Landesbank wird zur reinen Stadtsparkasse. Foto: Kai-Uwe HeinrichFoto: Kai-Uwe Heinrich tsp

Berlin - Der Umbau der Landesbank Berlin (LBB) wird für die Sparkassen teuer. Erneut müssen sie den Wert des Instituts in ihren Büchern drastisch nach unten korrigieren. Das hat jetzt Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon in einem Brief an die Regionalinstitute angekündigt, der dem Tagesspiegel vorliegt. Darin ist von einer „nicht unerheblichen weiteren Abschreibung“ die Rede. Die genaue Höhe soll im November beziffert werden. In Finanzkreisen heißt es allerdings schon jetzt, nach der neuen Wertkorrektur könnten manche Sparkassen ihre Beteiligung an der Landesbank zu 95 Prozent – und damit fast vollständig – abgeschrieben haben.

Fahrenschon gibt heute zu, dass die Sparkassen die Landesbank 2007 zu einem „zu hohen Preis“ gekauft haben. 5,5 Milliarden Euro mussten sie damals für das Berliner Institut bezahlen. Denn die Situation war schwierig. Das Land Berlin hatte das Institut, das früher unter dem Namen Bankgesellschaft Berlin firmierte, zuvor mit Milliardenhilfen retten müssen. Und die EU-Kommission hatte dies nur unter der Auflage erlaubt, dass das Land die Bank verkauft. Das Problem war nur: Zur Landesbank Berlin gehört seit ihrer Gründung auch die Berliner Sparkasse. Die übrigen Regionalinstitute wollten um jeden Preis verhindern, dass die Marke Sparkasse an eine Großbank geht. Deshalb überbot sie die Commerzbank, die damals ebenfalls großes Interesse an dem Berliner Institut gezeigt hatte.

Fahrenschon gibt in seinem Brief jetzt zu: „Die Entwicklung in Berlin hat in den vergangenen Jahren die unterbeteiligten Sparkassen erheblich belastet.“ Jetzt sei es notwendig, „einen klaren Schnitt zu machen“. Es scheint, als wollten die Regionalinstitute lieber jetzt eine große Korrektur vornehmen, statt – wie bislang üblich – immer wieder kleinere Summen abzuschreiben. Denn um die Wertkorrektur komme man eh nicht herum, meinen Experten. „Die Sparkassen werden in diesem Jahr noch einmal ein ordentliches Ergebnis haben“, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person dem Tagesspiegel. „Deshalb können sich die Häuser die Abschreibungen jetzt leisten.“

Mit den erneuten Wertberichtigungen tragen die Sparkassen die Kosten für den Umbau der Landesbank, den Fahrenschon in seinem Schreiben als „einen einmaligen Kraftakt in der Geschichte der Bank“ beschreibt. Die Landesbank schrumpft derzeit auf eine reine Stadtsparkasse zusammen – so hatten es sich die übrigen Regionalinstitute gewünscht. „Dazu wird die LBB ihre Geschäftspolitik und ihre bisherigen Aktivitäten zum Teil deutlich anpassen müssen“, schreibt der Sparkassenpräsident.

So spaltet die Landesbank den Immobilienfinanzierer Berlin Hyp ab, der bislang eine hundertprozentige Tochter war. Außerdem trennt sie sich von ihrem Kapitalmarktgeschäft, das an die Dekabank gehen soll, die ebenfalls den Sparkassen gehört. Noch verhandeln die beiden Häuser über einen Kaufpreis. Die Transaktion soll allerdings bis Dezember abgeschlossen sein – dann will Fahrenschon die Sparkassen über weitere Details des Deals informieren. Fest steht allerdings schon jetzt, dass die Bank auch personell deutlich schrumpfen wird. Wie berichtet, trennt sich das Institut in den kommenden vier Jahren von 900 Mitarbeitern.

Klar ist auch, dass der Umbau extrem teuer wird. Bereits im August hatte Landesbankvorstand Johannes Evers angedeutet, der Umbau des Hauses werde das Jahresergebnis deutlich belasten. Jetzt bereitete Fahrenschon die deutschen Sparkassen darauf vor, dass die LBB in diesem Jahr wohl Verluste schreiben werde. Eine Dividende, wie sie Anteilseigner normalerweise bekommen, könnten die Sparkassen auch in den kommenden drei Jahren wohl nicht erwarten, schreibt Fahrenschon.

Der Sparkassenpräsident hat den Vorstand jetzt beauftragt, eine Mittelfristplanung vorzulegen, die alle Eventualitäten mit einschließt. Auf ihrer Basis wollen die Sparkassen dann entscheiden, um wie viel sie den Wert der Landesbank in ihren Büchern abschreiben. Ziel sei es, „Wertkorrekturen in den nächsten Jahren möglichst auszuschließen“.

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