Wirtschaft : Die Achse des Bösen

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Was im Lauf des Irakkriegs wirklich überrascht hat, war, dass es auf der koreanischen Halbinsel so still geblieben ist. Viele Experten hatten nämlich befürchtet, Pjöngjang könnte die Kriegsverwicklung der USA nutzen, seine nuklearen Drohungen auf neue Höhen zu treiben. Bereits in den Monaten der Kriegsvorbereitung kündigte Nordkorea den Atomwaffen-Sperrvertrag, verwies internationale Beobachter des Landes und drohte mit der Wiedereröffnung einer Plutonium- Anlage.

Da lag es nahe, dass nun etwas noch Bedrohlicheres – etwa ein Atomwaffentest – folgen würde. Doch Nordkorea blieb ruhig, der Präsident übte sich öffentlich in Zurückhaltung. Was bleibt, sind ein relativ harmloser Raketentest und der Rückzug aus den fast bedeutungslosen Waffenstillstands-Gesprächen. Das Ganze klingt recht milde, verglichen mit den atomaren Provokationen der vorangegangenen Monate.

Eines weiß Pjöngjang sicher: Anders als beim Irak ist es nicht besonders wahrscheinlich, dass die USA militärisch eingreifen – nicht zuletzt, weil man der südkoreanischen Zivilbevölkerung auch mit herkömmlichen Waffen noch horrende Verluste zufügen könnte. Und auch der einsiedlerische Kim wird gehört haben, dass man Saddam Hussein zu Beginn des Krieges mit einer Smart Bomb zu Leibe gerückt ist. Die Vorstellung dürfte wohl auch für ihn schockierend sein. Kim steht vor dem Problem, dass sein bankrottes Regime vor allem von China ernährt wird. Von dort bezieht Nordkorea 40Prozent der importierten Lebensmittel und 90 Prozent seines Öls.

Bislang hat Peking es abgelehnt, dies als Druckmittel gegen die abenteuerliche Politik Pjöngjangs einzusetzen. Doch es gibt Berichte, wonach China erste Schritte in diese Richtung geht. Man drehte für kurze Zeit den Ölhahn einer wichtigen Pipeline ab – als Protest gegen einen Raketenversuch. Und nun wird wohl auch der UN-Sicherheitsrat den Bruch des Atomwaffen-Sperrvertrages auf die Tagesordnung bringen. Das hatte China bisher immer verhindert.

Niemand sollte unterschätzen, zu welchem Aberwitz Kim noch fähig ist. Vielleicht aber entfaltet der Krieg gegen einen der Diktatoren bereits eine Wirkung auf ein anderes Mitglied der Achse des Bösen.

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