Wirtschaft : Die Achse von gestern

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Als Chirac die osteuropäischen Länder wegen ihrer Unterstützung des Irakkrieges anzählte, steckte hinter seiner Wut wohl auch Angst: Die ehemaligen Ostblockstaaten könnten die Machtverhältnisse innerhalb der EU mit der starken deutschfranzösischen Achse durcheinander bringen. Jetzt sind die „neuen“ Europäer einen Monat dabei und die Befürchtungen Chiracs scheinen sich zu bestätigen. Bestes Beispiel ist die Nominierung des portugiesischen Premiers José Manuel Durao Barroso als EU-Kommissionspräsident. Barroso ist ein Alliierter der USA. Inzwischen setzen auch Frankreich und Deutschland auf einen Ausgleich mit den USA.

Frankreich, dessen Konzerne oft mit Kartellwächter Mario Monti zusammenstießen, will den neuen Wettbewerbskommissar stellen. Schröder fände es gut, „wenn Deutschland Verantwortung für die wirtschaftlichen Angelegenheiten Europas übernehmen würde“. Angesichts der desolaten deutschen Wirtschaft hielt man das für einen Witz. Ist es aber nicht.

Barrosos eigene wirtschaftliche Erfolge sind gemischt. In den 80er Jahren liberalisierte er die Wirtschaft. Seit er 2002 Premier wurde, stieg aber die Arbeitslosigkeit und das Wachstum verlangsamte sich. Während Barroso sein Bestes tun wird, die transatlantischen Wunden zu heilen, sollte er aber nicht vergessen, sich auch um den freien Markt zu kümmern.

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