Wirtschaft : Die Affäre kostet VW hunderttausende Euro

Konzernchef Pischetsrieder räumt „Unregelmäßigkeiten“ ein / Personalvorstand Hartz hat angeblich Prostituierte einfliegen lassen

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Berlin Volkswagen-Chef Bernd Pischetsrieder hat erstmals mögliche Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung von Reisespesen im Konzern eingeräumt. Der Schaden könne im „sechsstelligen Bereich“ liegen, sagte er der „Bild“-Zeitung. Zugleich verdichteten sich Hinweise auf ein umfangreiches Luxusreise-Programm für führende Betriebsräte. Auch dem Personalvorstand Peter Hartz, der am Freitag seinen Rücktritt angeboten hatte, soll von einem Mitarbeiter eine Frau aus Brasilien zugeführt worden sein. Wer dafür gezahlt hat, ist aber noch unklar. Unterdessen zieht der Schmiergeld-Skandal Kreise bis nach Indien.

Bei der Affäre geht es zum einen um Vergünstigungen für den VW-Betriebsrat auf Kosten der Konzernkasse. Zum anderen wird Mitarbeitern vorgeworfen, über Tarnfirmen unsaubere Geschäfte mit dem eigenen Konzern getätigt zu haben. Im Zuge dieser Vorwürfe war auch der bisherige Betriebsratschef Klaus Volkert zurückgetreten. Hier ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig, außerdem soll die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG bei der Aufklärung helfen.

Für die Betriebsräte habe es ein gesondertes Konto gegeben, das von der VW-Personalabteilung gespeist worden sei, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“. Darüber seien binnen zweier Jahre Eigenbelege in Höhe von einer Million Euro abgerechnet worden. Auf Anweisung des Vorstands sei die Verwendung des Geldes nicht genau überprüft worden. Mit Wissen von Personalvorstand Peter Hartz sollen Mitglieder des Betriebsratsausschusses samt ihrer Ehefrauen einmal jährlich im Firmenjet in europäische Metropolen geflogen sein. Dort seien ihnen auch Privateinkäufe finanziert worden, berichteten „Süddeutsche“ und das Magazin „Focus“ übereinstimmend.

Pischetsrieder nannte es allerdings „absurd“, dass Betriebsräte mit Lustreisen bestochen worden seien. Er kündigte an, in der Affäre hart durchzugreifen. Jeder, der dem Konzern geschadet habe, werde zur Rechenschaft gezogen. Er wolle in dieser „schwierigen Situation für VW“ alle Vorgänge lückenlos aufklären.

Zum Rücktritt von Hartz sagte Pischetsrieder, dieser sei den Schritt gegangen, um „weiteren Schaden vom Unternehmen abzuwenden“. Nach einem „Bild“-Bericht hat Hartz vier Mal Besuch von einer Prostituierten aus Brasilien bekommen. Zwei Mal habe der Manager sie einfliegen lassen, einmal nach Paris, einmal nach Sao Paolo. Ob die Kosten dafür über VW abgerechnet worden seien, prüfe derzeit die Innenrevision. Pischetsrieder wollte dazu keinen Kommentar abgeben.

Derweil könnte Volkswagen auch in einen Korruptionsfall in Indien verwickelt sein. Es gebe „konkrete Belege für Bestechung oder Untreue“ im Zusammenhang mit dem geplanten Bau einer VW-Fabrik in Südindien, berichtete das ARD-Hörfunkstudio Südasien. Die Regierung des Bundesstaates Andhra Pradesh teilte dem Sender mit, sie habe auf Anforderung des VW-Managers Helmuth Schuster zwei Millionen Euro an eine Firma überwiesen. Schuster wurde inzwischen wegen Bestechungsvorwürfen entlassen. VW-Chef Pischetsrieder hatte die Pläne zum Bau der Fabrik wegen der Bestechungsaffäre vorerst auf Eis gelegt.

Derweil sieht der neue Chef der Markengruppe VW, Wolfgang Bernhard, das Unternehmen unabhängig von den aktuellen Vorwürfen in einer ernsten Krise. „Wir müssen erkennen, dass wir massive Probleme haben, die wir sofort anpacken müssen“, sagte er dem „Spiegel“. Die Marke Volkswagen stehe nach der Einführung von Touran, Golf und Passat vor einer „relativ großen Durststrecke“, weil das Feuerwerk an neuen Modellen „weitgehend abgefeuert“ sei. Die Korruptionsaffäre um den VW-Betriebsrat habe seine Aufgabe „eher schwieriger als leichter“ gemacht, klagte Bernhard. Vor VW liege eine „schwierige Wegstrecke“. Der frühere Daimler-Chrysler-Manager will aber trotz eines Sparprogramms fünf bis zehn neue Fahrzeuge entwickeln, diese aber aus Kostengründen nur auf bestehenden Fahrzeug-Plattformen aufbauen. Tsp

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