Wirtschaft : Die Affäre López ist beendet

BERLIN/DARMSTADT (dpa/AP/Tsp).Einer der bekanntesten, aber auch umstrittensten Manager in der deutschen Automobilindustrie muß sich nicht mehr vor Gericht verantworten.Das Strafverfahren gegen den früheren Opel-und General-Motors-Manager und späteren VW-Vorstand José Ignacio López de Arriortúa und drei seiner Mitarbeiter wegen Industriespionage wurde nun gegen Zahlung von Geldbußen zwischen 40 000 DM und 400 000 DM eingestellt.Gerichtssprecherin Christa Pfannenschmidt erklärte am Montag, das Gericht habe die Entscheidung aufgrund der erheblichen rechtlichen Schwierigkeiten des Verfahrens getroffen.Es sei fraglich gewesen, ob das deutsche Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb auch auf die Mutter GM Anwendung finden könne.Auch gebe es keine rechtliche Definition von Geschäftsgeheimnissen in der Autobranche.Die Richter hätten mit einer Verfahrensdauer von mindestens zwei Jahren gerechnet.

Die Staatsanwaltschaft Darmstadt war sich zwar bis zuletzt sicher, genügend Beweise gegen López in der Hand zu haben, stimmte der Einstellung allerdings ebenso wie die Verteidigung von López zu.Die Staatsanwälte fürchten offenbar die lange Verfahrensdauer und führten als Begründung für ihre Entscheidung auch den schweren Autounfall von López im Januar diesen Jahres an.Hierbei wurde der 57jährige Manager erheblich am Kopf verletzt.

López war 1993 von General Motors als Chef des Nordamerika-Geschäfts vorgesehen, als er dann plötzlich mit sieben Mitarbeitern zu VW wechselte.Die Verwürfe gegen ihn hatten zu zahlreichen Schlagzeilen geführt und die Beziehungen zwischen VW und General Motors erheblich belastet.López und seine drei "Krieger" Manuel Gutierrez, Jorge Alvarez und Rissario Piazza, die ebenfalls von GM zu VW gewechselt waren, sollen Listen mit Kostendaten über alle wichtigen Modelle des Konkurrenten Opel, geheime Pläne über eine neue Autofabrik und einen neuen Kleinwagen mit nach Wolfsburg genommen haben.Die Folge waren Durchsuchungen von Wohnungen von GM-Mitarbeitern, die zu VW gewechselt waren, und der VW-Zentrale.

Der Streit zwischen GM und der VW AG, die sich öffentlich immer vor ihren Manager gestellt hatte, eskalierte zunächst weiter und VW-Chef Ferdinand Piëch sprach bereits von "Krieg".Schließlich reichten GM und Opel in den USA eine Klage ein, in der sie VW eine "kriminelle Verschwörung" vorwarfen.Im Falle einer Verurteilung hätte den Deutschen eine Schadensersatzforderugen in Milliardenhöhe gedroht.Daraufhin begann die Schadensbegrenzung auf Seiten von VW in die auf deutscher Seite auch Politiker eingeschaltet wurden.Die Folgen: López zog sich schließlich im November 1996 aus dem VW-Management 1996 zurück und arbeitete danach als Unternehmensberater.Piëch bedauerte öffentlich die Auswirkungen der Affäre und VW erklärte sich bereit zu zahlen: 100 Mill.Dollar in bar an General Motors sowie - über sieben Jahre gestreckt - eine Mrd.Dollar für Zulieferungen von GM-Töchtern.

Doch die Verpflichtung von López hatte für VW anfangs auch ihre guten Seiten.Schon nach kurzer Zeit hatte er sich den Ruf eines "Kostenkiller" erworben.Er war es, der die Kostenschraube scharf anzog, was allerdings häufig zu Lasten der Zulieferer und möglicherweise auch deren Qualität ging.Hier hat in Wolfsburg in der jüngsten Vergangenheit ein Umdenken eingesetzt.

VW begrüßte am Montag die Einstellung des Verfahrens, hielt sich aber ansonsten mit Äußerungen in der Öffentlichkeit zurück.Opel wollte den Beschluß offiziell nicht kommentieren.Die Entscheidung sei zu akzeptieren, hieß es lediglich.Inoffiziell hieß es im Werk, das Gericht habe den schlechten Gesundheitszustand von López wohl als Anlaß für seine beabsichtigte Entscheidung genutzt.López ließ mitteilen, er habe seine Geldbuße in Höhe von 400 000DM bereits überwiesen.

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