Wirtschaft : Die Agnellis streiten um viel Geld

Fiat-Milliardärin will für ihr Erbe vor Gericht ziehen

Paul Kreiner

Rom - Die Nachricht schlug in Italien ein wie eine Bombe: Margherita Agnelli zieht vor Gericht. Die einzige Tochter des vor vier Jahren gestorbenen Fiat-Patriarchen Gianni Agnelli will endlich „eine klare und komplette Übersicht“ über ihr Erbe. Mit anderen Worten: Margherita Agnelli sät Misstrauen in Italiens größter Wirtschaftsdynastie. Sie misstraut den greisen Testamentsverwaltern und Finanzchefs ihres Vaters. Sie kündigt jenen Pakt auf, mit dem im Sommer 2004 die Agnelli-Erben untereinander Frieden geschlossen haben.

Margherita selbst hatte das Abkommen damals als „ausgewogen und dem Willen meines Vaters entsprechend“ bezeichnet und sich auszahlen lassen. Sie bekam Liegenschaften, Aktien, eine Yacht und gerüchtehalber 109 Millionen Euro. Dafür stieg sie aus allen wirtschaftlichen Gruppierungen der Familie aus und widmete sich der Malerei.

Jetzt ist Margherita wieder da – und die Familie kann nichts mehr mit ihr anfangen. „Von tiefem Schmerz erfüllt“, bedauert John, ihr Erstgeborener, den Vorstoß; sein Bruder Lapo teilt dies „zu hundert Prozent“. Und die oberste Holding, in der das Geld und die zehn Zweige der mittlerweile 170-köpfigen Familie zusammenlaufen, versichert Börse und Aktionären des Konzerns, man stehe zusammen und habe keinen Grund, den Finanzverwaltern das Vertrauen zu entziehen.

Gerätselt wird über Margheritas Absichten. Ihren Söhnen geht’s blendend – jedenfalls den beiden aus erster Ehe: John „Yako“ Elkann, Lieblingsenkel von Gianni, ist heute praktisch Chef des Clans; sein Bruder Lapo sieht sich nach Kokainexzessen zu einer Lern- und Bußzeit in den USA verurteilt, bleibt aber im Prinzip zu Hause wohlgelitten. Über die fünf Kinder aus zweiter Ehe weiß man wenig.

Vielleicht glaubt Margherita nun, allzu früh und allzu billig ausgestiegen zu sein. 2004, im Jahr der tiefsten Fiat-Krise, waren die Aktien des Konzerns kaum sechs Euro wert, heute zahlt man 21 Euro. Fiat verdient prächtig, und in wenigen Tagen kommt der neue „Cinquecento“ heraus. Von diesem Klassiker erwartet man weitere goldene Zahlen. Und Margherita, so wird vermutet, wolle da mitnaschen – persönlich oder im Interesse ihrer Kinder aus zweiter Ehe.

Es könnte aber auch sein, dass das Erbe Gianni Agnellis größer ist als bekannt. Margheritas Anwälte zitieren einen Finanzverwalter vor Gericht, der in der Öffentlichkeit bisher kaum aufgefallen ist. Er soll von der Schweiz aus eine Art zusätzliches Vermögen, eine Art Privatschatulle des „Avvovato“ Agnelli verwalten und dafür auch Kontakte zu diversen karibischen Finanzparadiesen pflegen. Was immer an diesen Spekulationen dran ist: Die Frage nach dem Finanzgebaren der Agnellis ist wieder offen. Paul Kreiner

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