Wirtschaft : Die Aktie des neuen Pharmakonzerns Aventis enttäuscht an der Börse

Die Aktie des neugegründeten deutsch-französischen Pharmakonzerns Aventis ist am Montag mit klaren Kursverlusten an den europäischen Börsen gestartet. Die Nachfolgerin des Frankfurter Unternehmens Hoechst und der französischen Partnerin Rhône-Poulenc sank in Frankfurt (Main) um zwischenzeitlich 5,3 Prozent auf einen Tiefstwert von 59,65 Euro.

Unternehmenschef Jürgen Dormann kündigte unterdessen an, der neu gebildete Life-Science-Konzern Aventis werde seine Marktposition im Pharmageschäft mit Hilfe neuer Medikamente und einer stärkeren Konzentration auf das Amerika-Geschäft deutlich ausbauen.

Aventis mit Sitz in Straßburg war erst in der vergangenen Woche offiziell gegründet worden, nachdem die Aktionäre beider Firmen endgültig Grünes Licht für den seit Monaten vorbereiteten Schritt gegeben hatten. Die Aventis-Aktie gehört auch zum wichtigsten Aktienindex in Euroland, dem Euro Stoxx 50, in dem sie für den Anteilschein von Rhône-Poulenc eingezogen ist.

Die Welle von Zusammenschlüssen in der Branche sieht Dormann gelassen: "Im gegenwärtigen Fusionskarussell bin ich ein interessierter Beobachter", sagte Dormann der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Es würde mich mehr berühren, besäßen wir in Amerika nicht so günstige Aussichten."

Die Fusion von Hoechst und Rhône-Poulenc soll dem Spezialisten für Pharma und Landwirtschaft von 2002 an Einsparungen von rund 1,2 Milliarden Euro bringen. Das Betriebsergebnis soll pro Jahr 15 Prozent zulegen.

Zum notwendigen Personalabbau bei Aventis hält sich Dormann nach wie vor bedeckt. Französische Gewerkschaften befürchten den Wegfall von mehr als 10 000 der insgesamt 90 000 Stellen im Konzern.

Zwang zum Sparen besteht nicht zuletzt wegen der immensen Finanzschulden von 14,5 Milliarden Euro. Aventis erreicht derzeit einen Umsatz von rund 21 Milliarden Euro.

In der Kombination von Pharma und Landwirtschaft sieht sich das deutsch-französische Unternehmen als Nummer eins in der Welt.Dormann betonte, der Anteil von Medikamenten, die jünger als fünf Jahre sind, solle in den kommenden drei Jahren 30 Prozent am Gesamtgeschäft betragen. Derzeit liegt der Anteil dieser Neuentwicklungen lediglich bei 14 Prozent.

Im Pharmabereich zählte Dormann Allergiemedikamente, Mittel gegen Venen- und Herzkrankheiten und das Krebsmedikament Taxotere zu den ertragskräftigsten Hoffnungsträgern für den neuen Konzern. Der Aventis-Chef betonte, weniger als zehn Prozent der Pharmaerlöse des Unternehmens seien bis Mitte des kommenden Jahrzehnts durch den Ablauf von Patenten bedroht. Bei vielen Konkurrenten aus seiner Branche liege der Anteil hingegen bei 20 Prozent.

Das Geschäft in den Vereinigten Staaten, dem größten Pharmamarkt der Welt, soll laut Dormann bis 2002 von derzeit 29 Prozent auf rund 40 Prozent gesteigert werden. Hierzu solle eine 4500 Mann starke Verkaufsmannschaft beitragen.

"Wir fahren volle Pulle in Richtung Blockbuster und Amerika", sagte Dormann.

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