Wirtschaft : Die Aktien sollen zwischen 25 und 32 Euro kosten - Commerzbank-Kunden werden bevorzugt behandelt

Die Commerzbank-Tochter Comdirect wird an diesem Montag die Preisspanne für die insgesamt bis zu 28,1 Millionen Aktien nennen, die sie bei ihrem Börsengang am Neuen Markt in Frankfurt (Main) platzieren will. Die Zeichnungsfrist für die Papiere des Online-Brokers soll vom 23. Mai bis zum 2. Juni dauern. Die Erstnotiz ist für den 5. Juni geplant. Der Börsengang soll der Direktbank dabei helfen, ihre Marktposition in Europa auszubauen. Die Comdirect habe konkrete Pläne für Aktivitäten in Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien, hieß es.

Die in Quickborn ansässige Comdirect bank AG gilt als der schärfste Konkurrent des bereits am Neuen Markt notierten Online-Brokers Consors und der Direkt Anlage Bank (DAB). Bis Ende März zählte das Unternehmen nach eigenen Angaben insgesamt 390 000 Kunden. Davon seien 334 000 auf das lukrative Brokerage-Geschäft entfallen, womit man in diesem Bereich leicht hinter Consors mit 375 000 Kunden (Ende März) zurück bliebe. Die DAB zählte nach eigenen Angaben gleichzeitig 221 510 Kunden.

Von den zum Angebot kommenden Aktien stammen nach Angaben des Börsenkandidaten 20,5 Millionen Stück aus einer Kapitalerhöhung. Fünf Millionen Papiere werde die Commerzbank im Rahmen des ersten Angebotes abgeben, aus deren Besitz auch die Mehrzuteilungsreserve von 2,6 Millionen Stück stammten. Bis Ende Mai will zudem der Börsenneuling T-Online mit 25 Prozent bei dem Emissionskandidaten einsteigen. Durch die bereits bestehende Kooperation mit der fünf bis sechs Millionen Kunden zählenden Telekom-Tochter hofft die Comdirect nach Presseberichten, die Kosten für die Neukundenakquisition zu senken. Auch T-Online hatte die Brokerage-Kooperation mit Comdirect anläßlich der Quartalszahlen wegen der gestiegenen Zugriffszahlen als positiv herausgestellt.

Beim Börsengang haben jedoch vermutlich nur die Kunden des eigenen Instituts und der Muttergesellschaft Commerzbank einen Chance, Aktien zu erhalten. Wie Comdirect-Vorstand Bernd Weber jüngst dem Handelsblatt sagte, geht der größte Teil der Emission an Kunden der Commerzbank. Endgültig ist dies jedoch noch nicht entschieden. Weber erwartet eine Nachfrage, die das Angebot um das 20fache übersteigt. Angesichts des zu erwartenden Andrangs sollen die eigenen Kunden zunächst durch ein Losverfahren bedient werden. Kunden anderer Banken und diejenigen, deren Depots in der Vergangenheit kaum Umsätze gebracht haben, würden vermutlich leer ausgehen, sagte Weber. Das gelte auch für Kunden des Partners T-Online.

Über den Emissionspreis der Comdirect wird seit Tagen spekuliert. Eine Spanne von 25 bis 32 Euro gilt als Benchmark. Thomas Rothäusler vom Bankhaus Julius Bär rechnet angesichts des schwierigen Marktumfelds mit einer Bookbuilding-Spanne in diesem Rahmen. Der Preis werde aber wohl eher am unteren Ende festgesetzt. "Die Commerzbank wird die Anfälligkeit des Neuen Marktes für starke Kursschwankungen sicher berücksichtigen", meint der Analyst. Auch nach Ansicht von Metehan Sen von der Finanzanalyse Oppenheim wäre ein Preis am unteren Ende der Spanne fair. Unterstelle man einen Unternehmenswert von 3,5 Milliarden Euro würde der einzelne Comdirect-Kunde mit rund 10 500 Euro bewertet. Im Vergleich zu Consors mit 14 400 Euro je Kunde sehe das ganz ordentlich aus."

Auch Rothäusler bewertet Comdirect-Kunden mit einem Abschlag, weil sie etwas seltener handelten als bei anderen Direktbrokern. Auch habe sich Consors bei der Expansion nach Europa einen Vorsprung gesichert. Und bei der Steigerung der Kundenzahl hätten die Nürnberger im 1. Quartal 2000 höhere Dynamik bewiesen. Jürgen Giese von der Privatbank Hauck & Aufhäuser wendet gegen zu große Euphorie die Eigenkapitalrendite der Direktbroker ein. Diese sei mit fünf bis sieben Prozent nach Steuern nicht berauschend. Comdirect dürfte eine Platzierung selbst am unteren Ende der Preisspanne ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 500 verschaffen. Verglichen mit Consors (gut 200) sei der Broker damit hoch angesetzt.

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