Wirtschaft : „Die Aktionäre müssen bluten“

Herr Sarrazin, ist es richtig, Banken mit Steuergeldern zu retten?

Moralisch und gefühlsmäßig betrachtet ist die Antwort eindeutig nein. Pragmatisch gesehen hat der Staat aber eine Verantwortung dafür, dass der Kapitalmarkt funktioniert. Der Fall ist eigentlich kein anderer als bei unserer Bankgesellschaft Berlin. Wir konnten es damals auch nicht zulassen, dass ganze Kreditketten abgebrochen werden. Deshalb hat das Land Bürgschaften von 21,6 Milliarden Euro gegeben. Am Ende wird sich zeigen, dass wir möglicherweise nur mit rund 4,7 Milliarden Euro beansprucht werden. Der Schaden für den Steuerzahler ist also wohl nicht so groß wie zunächst befürchtet.

Wenn die Bankmanager wissen, dass der Staat im Notfall einspringt, gehen sie aber immer wieder zu hohe Risiken ein.

Nicht unbedingt. Man muss zwischen den Kreditnehmern, Gläubigern und Eigentümern unterscheiden. Das Wichtigste ist, dass die Kreditnehmer nicht leiden. Auch die Gläubiger, die normale Anleihen der Banken gekauft haben, sollten weiter ihre Zinsen bekommen. Aber die Aktionäre müssen bluten. Der Staat muss sich das, was er dauerhaft zuschießt, von ihnen zurückholen – zum Beispiel über eine Kapitalerhöhung.

Thilo Sarrazin (SPD)

ist Finanzsenator in Berlin. Er war 2002 maßgeblich an der Rettung der Bankgesellschaft Berlin (heute: Landesbank Berlin) beteiligt. Mit ihm sprach Stefan Kaiser.

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