Wirtschaft : Die Aktionäre müssen büßen

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Von Flora Wisdorff

Die Nachrichten erschrecken: Eine Milliarde Euro Verlust bei der Lufthansa und keine Dividende für ihre Aktionäre. Das hatte der Luftfahrtkonzern seinen Anteilseignern das letzte Mal im Katastrophenjahr 2001 zugemutet, nachdem die Terroranschläge vom 11. September der Luftfahrt Rekordverluste eingebrockt hatten. Ist die Lufthansa etwa schon wieder in die Krise gerutscht? Nein. Aber sie leidet darunter, dass sie sich nicht auf ihr Kerngeschäft, die Luftfahrt für Passagiere, konzentrieren kann. Vor allem eine Beteiligung war eine gravierende Fehlinvestition, die immer weiter an Wert verliert: die Cateringtochter LSG Sky Chefs.

Die LSG lässt den gesamten Konzern zwar in seiner Bilanz tief in die roten Zahlen rutschen. Im laufenden Geschäft gab es jedoch – anders als erwartet – einen Gewinn. LufthansaChef Wolfgang Mayrhuber blickt auch deshalb optimistisch in die Zukunft, was die Passagierzahlen betrifft, und will wieder mehr Flugzeuge in Richtung Asien schicken. Außerdem will er weiter sparen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Auch in Europa, wo ihm die Billigflieger Konkurrenz machen. Das alles lässt – zumindest im Kerngeschäft – auf positive Entwicklungen hoffen. Die Probleme liegen auf anderen Feldern des Konzerns, der sich, anders als die großen traditionellen Wettbewerber, nicht nur auf den Transport der Passagiere beschränkt. Neben dem Cateringgeschäft ist die Lufthansa auch an dem Touristikunternehmen Thomas Cook beteiligt. Dort sieht die Lage zwar nicht ganz so dramatisch aus wie bei der LSG Sky Chefs – aber auch hier gibt es Verluste, erst im Herbst wurde die Unternehmensspitze ausgewechselt. Die Strategie muss erneuert werden – und die Lufthansa sollte eventuell auch über einen Verkauf nachdenken. Das gleiche gilt für LSG Sky Chefs. In ihrem Hauptgeschäft jedenfalls ist die Lufthansa gut aufgestellt, die Aussichten sind optimistisch – und deswegen sollte sie auch ihre Aktionäre daran teilhaben lassen. Die komplette Streichung der Dividende war unerwartet – und nicht nötig.

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