• Die Aktionäre setzen wieder auf die Dividende Dax-Firmen wollen mehr Gewinne als im Vorjahr ausschütten

Wirtschaft : Die Aktionäre setzen wieder auf die Dividende Dax-Firmen wollen mehr Gewinne als im Vorjahr ausschütten

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(wb/HB). Deutschlands Konzerne scheinen bereit zu sein, in diesem Jahr ihre Aktionäre etwas großzügiger zu behandeln: Waren sie in den vergangenen Jahren ausgesprochen zurückhaltend bei der Dividende, wollen sie den Aktionären nun etwas mehr vom Gewinn geben. Die Gesamtausschüttung der 30 DaxUnternehmen stieg schon im vergangenen Jahr nach zwei Jahren des Niedergangs wieder leicht an – um rund sechs Prozent auf knapp 10,6 Milliarden Euro.

Von einer Trendwende mag Herbert Hansen von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) dennoch nicht reden. „Es scheint, dass einige Unternehmen doch etwas ausschüttungsfreudiger werden“, sagt er vorsichtig. Seine Aktionärsschützer-Kollegen zeigen sich ebenfalls skeptisch, ob es eine Trendwende zugunsten der Dividendenausschüttung gebe. Denn die Gewinne der 30 Dax-Unternehmen sind 2003 im Schnitt um rund satte 30 Prozent gestiegen – gemessen daran seien die Aktionäre auch im vergangenen Jahr nicht eben verwöhnt worden.

DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker bemängelt zum Auftakt der Hauptversammlungssaison (siehe Lexikon), dass sich die Unternehmen jetzt noch ein Stück weiter von dem Ziel, 50 Prozent der Gewinne an die Aktionäre weiterzugeben, entfernten. In den vergangenen Jahren lagen die Ausschüttungen der Konzerne im Schnitt bei 35 Prozent der Gewinne.

Immerhin haben 14 der 30 Spitzenwerte im Deutschen Aktienindex Dividendenerhöhungen angekündigt oder realisiert. Unter ihnen sind Siemens (1,10 Euro nach 1,00 Euro) und Eon (2,00 Euro nach 1,75 Euro). Die beiden Unternehmen stellen zwei der drei Ausschüttungsriesen, die in der Regel gut ein Drittel der gesamten Dax-30-Ausschüttung auf sich vereinen. Der Dritte im Bunde, Daimler-Chrysler, hält in diesem Jahr die Dividende bei 1,50 Euro. Das ist derselbe Betrag, der auch im vergangenen Jahr schon ausgeschüttet wurde.

Eins fällt in dieser Saison auf: Die Dividenden der Unternehmen – in den Börsenboom-Jahren fast aus dem Blickfeld geraten – erfreuen sich größerer Aufmerksamkeit der Aktionäre. Einige Konzern-Kapitäne setzen sie wieder gezielt ein, um ihre Aktien für die Anleger attraktiv zu machen. „Unsere Dividendenpolitik soll widerspiegeln, dass wir uns für die Zukunft gut gerüstet sehen“, verkündete beispielsweise RWE-Chef Harry Roels und versprach jährliche Erhöhungen der Gewinnausschüttung um durchschnittlich 15 Prozent.

Dividende auf „Teufel komm raus“

Von den acht Dax-Unternehmen, die ihre Dividenden für 2003 auf Vorjahreshöhe halten wollen, tun einige dies trotz gesunkener Gewinne oder gar – wie die Münchener Rückversicherung – trotz roter Zahlen. „Das Argument der Dividendenkontinuität gewinnt wieder an Gewicht“, sagt Sonja Schemmann, Fonds-Managerin der DWS. „Es signalisiert eine gewisse Zuverlässigkeit der Rentabilität einer Aktie.“ Viele Anleger wünschten sich Sicherheit, nachdem das Auf und Ab an den Börsen Spekulationsgewinne immer unsicherer mache. „Immerhin macht die Dividendenrendite in Zeiten schwacher Kurssteigerungen, wie wir sie derzeit erleben, bis zu 50 Prozent des Ertrags einer Aktien-Anlage aus.“

Insbesondere die Versicherungen „halten die Dividenden auf Teufel komm raus konstant“, sagt der Aktionärsschützer Hansen. So haben auch die Allianz, die nur dank des Beiersdorf-Verkaufs überhaupt einen Gewinn ausweisen konnte, und Ergo, die ihren Verlust noch ausweitete, unveränderte Dividenden avisiert. Nur die Münchener Rück kündigte an, dass sie künftig zu einer „aktiveren Dividendenpolitik“ mit stärkeren Ausschlägen nach oben oder unten übergehen wolle.

Ein Sechstel der Dax-30-Konzerne lässt die Dividende für 2003 ganz ausfallen. Damit liegt die Spitzengruppe der deutschenUnternehmen ganz gut im Rennen. Denn das Gesamtfeld der börsennotierten deutschen Unternehmen hat weit weniger vorzuweisen: „Bis vor drei Jahren war rund ein Viertel dieser Unternehmen dividendenlos, 2002 waren es sogar 40 Prozent", sagt Hansen. Inzwischen seien allerdings etliche dieser Firmen in den weniger kostenträchtigen geregelten Markt abgewandert, ganz von der Börse oder in die Insolvenz gegangen.

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