Wirtschaft : Die Allianz ist die eigentliche Leidtragende - Aktie im Sturzflug

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Das Scheitern der Fusion zwischen Deutscher und Dresdner Bank trifft vor allem die Münchner Allianz AG. Man bedauere das völlig überraschende Platzen des Deals außerordentlich, sagte Allianz-Sprecher Emilio Galli Zugaro auf Anfrage, ohne sich zu dessen Hintergründen oder weiteren Details äußern zu wollen. Die Aktien aller drei Finanzkonzerne waren an der Frankfurter Börse zeitweise vom Handel ausgesetzt worden. Nach Ende dieser Frist ging das Allianz-Papier mit einem weit über zehnprozentigen Abschlag in den Sturzflug über, während die beiden Bankenaktien gegen den Trend zulegen konnten. Der Münchner Versicherer hatte zuvor als Hauptnutznießer der Bankenfusion gegolten und hält gut ein Fünftel der Dresdner-Anteile sowie fünf Prozent an der Deutschen Bank. Nach der überraschenden Wendung bleibt die größte deutsche Fondsgesellschaft DWS bei der Deutschen Bank und wechselt nicht zur Allianz. Dagegen halten Branchenkenner einen Verkauf der Versicherungsaktivitäten der Deutschen Bank und ihrer Tochter Deutscher Herold an die Münchner noch für möglich. Das gelte auch für eine Beteiligung der Allianz an der Deutsche Bank 24. Für das Scheitern der Großfusion sei eine "Meuterei" bei der Deutschen Bank verantwortlich, meint ein Insider. Während Deutsche Bank-Chef Rolf Breuer eine Integration der Investmenttochter der Dresdner Bank, der Londoner Kleinwort Benson, befürwortet habe, hätten sich andere Teile des Managements letztlich erfolgreich dagegen gestemmt. Die Deutsche Bank gehe aus dem geplatzen Deal nun mit einem Führungsproblem hervor, aber auch die Dresdner Bank sei "kolossal lädiert". Zum einen seien beiden Banken wegen der beabsichtigten Trennung in reiche Kunden, die bei der Deutschen Bank hätten bleiben dürfen, und Normalkunden, die zur Bank 24 transferiert werden sollten, Kleinanleger in Scharen davon gelaufen, heißt es in Finanzkreisen. Zum anderen hätte Kleinwort wegen den spürbaren Widerständen seitens der Deutschen Bank zuletzt viele Top-Mitarbeiter verloren. Wegen dieses Aderlasses hätte die Dresdner in Absprache mit der Allianz die Notbremse gezogen, schätzte ein Branchenkenner.

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