Wirtschaft : Die Allianz ist mit ihrer Geduld am Ende

Auch die Dresdner-Bank-Mutter steht unter Druck – die Aktie bricht ein, und das Versicherungsgeschäft ist schwieriger geworden

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Berlin. Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle ist der Geduldsfaden gerissen. Deutschlands mächtigster Versicherungschef möchte bei der Tochter Dresdner Bank endlich Erfolge sehen. In Finanzkreisen ist klar, dass die Trennung von Investmentbanker Leonhard Fischer auch eine deutliche Warnung an die Adresse von Dresdner-Bank-Chef Bernd Fahrholz ist. Sollte der Banker das Kreditinstitut in den nächsten zwölf Monaten nicht in die schwarzen Zahlen zurückführen, dann dürften seine Tage an der Bankenspitze gezählt sein.

Denn auch die Mutter, die Allianz AG, hat derzeit nichts zu verschenken. Die Aktie hat in den vergangenen sechs Monaten einen dramatischen Kurssturz erlebt und mehr als die Hälfte ihres Wertes verloren. Einige Analysten halten den Konzern bereits für einen Übernahmekandidaten. Tatsächlich wäre die Allianz für ausländische Investoren ein lukratives Schnäppchen. Denn die Börsenkapitalisierung steht in keinem Verhältnis zu den Werten, die der Versicherungskonzern in seinem Portfolio angesammelt hat. Rund 24 Milliarden Euro müsste ein Käufer derzeit für die Allianz hinblättern und bekäme allein Unternehmensbeteiligungen in einem Wert von rund 36 Milliarden Euro. Beteiligt ist die Allianz bei den ersten Adressen der deutschen Industrie – unter anderem bei MAN, BASF, Bayer und Beiersdorf. Hinzu kommt eine fast 25-prozentige-Beteiligung an der Münchener Rück.

Doch all das konnte den Kurssturz des Versicherungskonzerns nicht bremsen. Die Börse hörte eher auf die schlechten Nachrichten, und auch davon gab es in den vergangenen Monaten einige. Der Anschlag auf das World Trade Center setzte die gesamte Versicherungsbranche unter Druck. Wie die Konkurrenz versucht auch die Allianz, im defizitären Industrieversicherungsgeschäft Prämienerhöhungen bei der Kundschaft durchzusetzen. In den USA rechnet der Konzern zudem mit Forderungen von mehr als 750 Millionen Dollar im Zuge der Asbest-Verseuchung von Immobilien.

Aber auch hier zu Lande gibt es Sorgen genug. Der Börsencrash in Deutschland hat bei der Lebensversicherungs-Tochter Allianz Leben die stillen Reserven inzwischen aufgezehrt. Auch die Allianz-Kunden werden sich daher wohl für das kommende Jahr mit einer geringeren Überschussbeteiligung zufrieden geben müssen. Bei der Riester-Rente ist die Allianz mit einem Marktanteil von 20 Prozent zwar Marktführerin, dennoch hatte man sich noch einiges mehr ausgerechnet. Und auch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, in denen die Dresdner Bank steckt, müssen die Münchner verkraften.

Kein Wunder also, dass die Allianz Ende Juli in einer Gewinnwarnung darauf hinwies, dass die ehrgeizigen Profitziele, die man sich für dieses Jahr gesteckt hatte, wohl nicht erreicht werden. Einen Gewinn von drei Milliarden Euro hatte sich die Allianz eigentlich für das Jahr 2002 vorgenommen und wollte damit den Vorjahresgewinn von 1,6 Milliarden Euro noch einmal deutlich übertreffen. Doch daraus dürfte jetzt erst einmal nichts werden. Dennoch will der Konzern jetzt keinesfalls sein Tafelsilber verschleudern. Das wäre nicht nur unseriös, meint Vorstandschef Achleitner, sondern auch unsinnig. Der Effekt würde an der Börse nur verpuffen. Heike Jahberg

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