Wirtschaft : Die Allianz überrascht mit guten Zahlen

Aktionäre loben Trendwende /Dresdner Bank erstmals seit Jahren wieder mit Überschuss

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München (nad). Der AllianzKonzern ist mit überraschend guten Zahlen ins neue Geschäftsjahr gestartet und hat damit die Erwartungen von Analysten übertroffen. Zum ersten Mal seit eineinhalb Jahren hat auch die Tochter Dresdner Bank wieder einen Gewinnbeitrag geleistet. Für seinen harten Sanierungskurs bei der Allianz erntete der neue Vorstandschef Michael Diekmann bei der Hauptversammlung in München viel Lob. Die Entwicklung der Dresdner Bank betrachten die Aktionäre aber mit Sorge. Der Aktienkurs der Allianz stieg bis zum Börsenschluss um 3,68 Prozent auf 90,89 Euro.

„Wir haben viel dafür getan, Schwung für die nächsten Jahre aufzubauen“, sagte Diekmann am Mittwoch vor etwa 6000 Aktionären. Er stellte weitere Zuwächse in Aussicht, ohne aber konkrete Zahlen zu nennen. Unter Diekmann hatte die Allianz im vergangenen Jahr das „Drei-plus-Eins-Programm“ gestartet. Dazu gehörten eine milliardenschwere Kapitalerhöhung im Frühjahr 2003, der Verkauf zahlreicher, nicht zum Kerngeschäft gehörender Beteiligungen – darunter der Anteil an Beiersdorf – und eine deutliche Steigerung der Profitabilität. Zuvor war die Allianz wegen Problemen bei der Dresdner Bank und der Krise an den Börsen schwer ins Schlingern geraten.

Die Trendwende von 2003 sei zum Jahresbeginn honoriert worden, sagte Diekmann. Nach vorläufigen Zahlen sei das Nachsteuerergebnis im ersten Quartal auf 650 Millionen Euro gestiegen. Im Vorjahresquartal war noch ein Minus von 560 Millionen Euro angefallen. Das operative Ergebnis habe um rund 35 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro zugelegt. Zu der Ergebnisverbesserung hätten alle vier Geschäftssegmente – Schaden- und Unfallversicherung, Lebens- und Krankenversicherung, Bankgeschäft und Vermögensverwaltung – beigetragen.

Im Bankgeschäft, das vor allem die Dresdner Bank umfasst, senkte der Konzern seine Aufwendungen und die Risikovorsorge deutlich. Die Bank erzielte ein operatives Ergebnis von 170 Millionen Euro und wies damit erstmals seit dem dritten Quartal 2002 auch nach Steuern ein positives Ergebnis auf. Die offiziellen Zahlen für das erste Quartal gibt die Allianz am kommenden Freitag bekannt. Diekmann gab zu, dass die Allianz ihr Ziel, bei der Dresdner Bank im Jahr 2003 ein ausgeglichenes operatives Ergebnis zu erreichen, verfehlt hat. Er begründete dies mit außerordentlichen Abschreibungen und einmaligen Aufwendungen für die Restrukturierung. Im laufenden Jahr sollen die Restrukturierungskosten noch einmal bis zu 180 Millionen Euro betragen. 2005 soll die Dresdner Bank einen Überschuss in Höhe der Kapitalkosten erzielen.

Die übrigen Sorgenkinder der Allianz haben sich nach den Worten Diekmanns dagegen gut entwickelt: Die US-Tochter Fireman’s Fund und die Industrie- und Rückversicherungseinheit Allianz Global Risks (AGR) seien wieder in den schwarzen Zahlen. Die französische AGF soll noch 2004 in die Gewinnzone zurückkehren. Ziel des Gesamtkonzerns sei eine Eigenkapitalrendite von 15 Prozent.

Die Aktionäre lobten den seit einem Jahr amtierenden Konzernchef. Diekmann habe „eine gewaltige Aufholjagd gestartet“ und „eine neue Ära eingeleitet“. Die Dresdner Bank bezeichneten die Anteilseigner dagegen als „Fass ohne Boden“. „Auch wenn Sie mit eisernem Besen kehren, sehe ich nicht, wie Sie da auf einen grünen Zweig kommen wollen“, sagte Klaus Schneider von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger.

Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp wird Ende Juni aus dem Aufsichtsrat der Allianz ausscheiden, um sich stärker um sein eigenes Unternehmen kümmern zu können.

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