Wirtschaft : Die Alu-Konzerne Alcan, Pechiney und Algroup scheitern am Widerstand der EU-Wettbewerbsbehörde

Die Dreierfusion des zweitgrößten nordamerikanischen Aluminiumproduzenten Alcan Aluminium Ltd. mit der französischen Pechiney SA und dem Schweizer Aluminiumhersteller Algroup ist auf Grund des Widerstandes der Wettbewerbshüter in Brüssel geplatzt. Dagegen halten Alcan und Algroup an ihrer bereits vor einem Monat von der Europäischen Kommission genehmigten Zweierfusion fest. Dies haben die drei großen Aluminiumhersteller am Donnerstag gemeinsam mitgeteilt. Sie gaben ihre Bemühungen um eine Dreierfusion auf, weil sich Alcan und Pechiney nicht mit der Kartellbehörde über eine Lösung für sich überschneidende Aluminiumblech- und andere -operationen in Europa einigen konnten. Die Europäische Kommission hatte Alcan und Pechiney Mitte März gezwungen, ihren Fusionsantrag zurückzuziehen. Seither verhandelten die drei Konzerne darüber, wie man die Bedenken Brüssels überwinden könnte.

Algroup-Chef Sergio Marchionne bedauerte, dass die Fusion mit Alcan und Pechiney nicht wie geplant zu Stande kommt. Die Dreierfusion wäre die kraftvollste Lösung gewesen, sagte er. Vor allem im Bereich Verpackungen habe man große Synergien mit Pechiney gesehen. Ein Zusammengehen mit der kanadischen Alcan alleine biete der Algroup aber immer noch genügend Vorteile, betonte er am Donnerstag in Zürich. Schließlich entstehe durch die Zweierfusion ein Konzern mit einem Umsatz von rund 12,4 Milliarden Dollar.

Die Fusion zwischen Alcan und Algroup soll durch ein Umtauschangebot an die Alcan-Aktionäre erreicht werden. Es ist noch die Zustimmung der Algroup-Aktionäre notwendig. Es müssen mindestens 67 Prozent der Algroup-Aktien angeboten werden. Die Zustimmung des Kartellamtes in Washington wird in Kürze erwartet.

Der kanadisch-schweizerische Alcan/Algroup-Konzern würde nach dem Branchenführer Alcoa (16,4 Milliarden Dollar Umsatz) weltweit unter den Aluminiumkonzernern auf Platz zwei liegen. Alcoa will den amerikanischen Aluminiumproduzenten Reynolds Metals übernehmen, der einen Umsatz von 4,8 Milliarden Dollar hat.

Der Chef von Pechiney SA, Jean-Pierre Rodier, gab den Ausstieg seines Unternehmens am Donnerstag in Paris bekannt. Gescheitert sei das Dreier-Projekt an der Alcan-Weigerung, seine 50-prozentige Beteiligung an dem deutschen Walzwerk Norf (Neuss) aufzugeben, hieß es. Die anderen 50 Prozent hält die Viag-Tochter Vereinigte Aliuminium Werke (VAW), Bonn. Die drei Gesellschaften erklärten, dass die Verkäufe, die erforderlich gewesen wären, um die Bedenken der EU-Kommission zu beheben, "die strategische Lebensfähigkeit des europäischen Walzproduktgeschäfts ernsthaft untergraben hätte". Brüssel hatte vor allem Bedenken, weil Alcan mit seiner 50-prozentigen Norf-Beteiligung und Pechiney mit ihrem französischen Walzwerk in Neuf-Brisach eine dominierende Position im Markt für Aluminiumbleche erreicht hätte, die für Getränke- und Lebensmitteldosen verwendet werden.

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