Die Amerikaner bleiben locker : US-Notenbank zieht geldpolitische Zügel nicht an

Ein Kurswechsel bleibt vorerst aus: Die US-Notenbank wird auch weiterhin ihre milliardenschweren Anleihekäufe fortsetzen.

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Die US-Notenbank in Washington, USA. Ein Kurswechsel bleibt vorerst aus: Die US-Notenbank wird auch weiterhin ihre milliardenschweren Anleihekäufe fortsetzen.
Die US-Notenbank in Washington, USA. Ein Kurswechsel bleibt vorerst aus: Die US-Notenbank wird auch weiterhin ihre...Foto: dpa

Gelassen hatten sich die Aktienmärkte am Mittwoch schon auf eine straffere Geldpolitik der US-Notenbank eingestellt. Der Deutsche Aktienindex (Dax) war zeitweise sogar auf einen neuen Rekordstand von 8645 Punkten gestiegen. Bis Börsenschluss war ihm ein Plus von 0,3 Prozent erhalten geblieben. Am Abend dann kam auch noch die Entwarnung aus Washington: US-Notenbankchef Ben Bernanke verkündete, es werde noch keine Abkehr vom Kurs des aufgedrehten Geldhahns geben, eine Zinswende steht aktuell nicht bevor. Der Aktienmarkt in New Yorker reagierte mit deutlichen Kursgewinnen, der Dow-Jones stieg vorübergehend auf ein Rekordhoch. Der Dollar gab gegenüber dem Euro deutlich nach und kostete zeitweise 1,347 Euro.

Der Notenbank-Chef verwies auf den bevorstehenden politischen Showdown

Pünktlich um 14 Uhr Ortszeit trat Fed-Chef Bernanke am Mittwoch vor die Presse und sprach die entscheidenden Worte: „Kein Wechsel“ in der aktuellen Geldpolitik. Die Notenbank habe jeglichen Rückzug von der Kampagne zur Stimulierung des wirtschaftlichen Aufschwungs vertagt und werde damit fortfahren, monatlich US-Staatsanleihen und Immobilienpapiere im Wert von 85 Milliarden Dollar aufzukaufen. Noch seien die Indikatoren für die Stabilisierung der Wirtschaft nicht eindeutig genug, zudem bleibe die Arbeitslosigkeit auf einem hohen Wert. „Wir warten auf weitere Anzeichen der wirtschaftlichen Erholung“, begründete Bernanke den überraschenden Beschluss. zwischen dem republikanisch dominierten US-Repräsentantenhaus und der Regierung von Präsident Barack Obama über die weitere Finanzierung des US-Staatshaushalts und sagte, die derzeitige Finanzpolitik bedrohe den wirtschaftlichen Aufschwung.
Weltweit war ein bereits unter dem Stichwort „Tapering“ (Verjüngung) angekündigter sanfter Rückzug von der Politik der Geldschwemme erwartet worden. Auf ein Absenken der Notenbank-Ankäufe um zwischen fünf und 20 Milliarden Dollar hatten Experten getippt. Diesen Rückzug stellte Bernanke nun für Ende des Jahres oder Anfang 2014 in Aussicht.
Der Leitzins bleibt, wie von Ökonomen erwartet, auf dem historischen Niedrigstand zwischen 0 und 0,25 Prozent. Auf diesem Rekordtief liegt er seit Ende 2008, als die schwere Finanzkrise begann. Der faktische Nullzins sei angemessen, solange die US-Arbeitslosenquote höher sei als 6,5 Prozent, heißt es in einer Mitteilung, die die Notenbank am Mittwoch herausgab. Derzeit liegt die Quote bei 7,3 Prozent. Die Zinspolitik wurde Ende 2012 an die Arbeitslosenquote gekoppelt.

Fed senkte ihren Wirtschaftsausblick

Zugleich senkte die Fed ihren Wirtschaftsausblick: Für dieses Jahr rechnet die Notenbank nur noch mit einem Wachstum zwischen 2,0 und 2,3 Prozent. Vor drei Monaten war sie noch von 2,3 bis 2,6 Prozent ausgegangen. Auch für 2014 und 2015 korrigierte sie ihre Aussichten ein wenig nach unten. Erstmals legte die Fed eine Wachstumsschätzung für 2016 vor. Diese liegt bei 2,5 bis 3,3 Prozent. Bei der Vorhersage für die Arbeitslosenquote machte die Fed nur geringe Änderungen. In diesem Jahr soll sie bei 7,1 bis 7,3 Prozent liegen und im kommenden Jahr zwischen 6,4 und 6,8 Prozent. Für 2015 rechnen die Notenbanker mit einer Quote zwischen 5,9 und 6,2 Prozent. 2016 soll sie dann auf 5,4 bis 5,9 Prozent sinken. Die Inflation werde fast die gesamte Zeit unter dem Ziel der Fed von 2,0 Prozent bleiben.

Die monatlichen Käufe der Notenbank von 85 Milliarden Dollar entsprechen in etwa dem monatlichen US-Haushaltsdefizit. Sie sind Teil des dritten im September 2012 aufgelegten Anleiheprogramms, das als Quantitative Easing (QE) – Quantitative Lockerung – bezeichnet wird. Zunächst wollte die Fed nur für 40 Milliarden Euro kaufen, im Dezember wurde das Volumen dann aber auf 85 Milliarden Euro erhöht. Das erste Anleiheprogramm hatte sie im März 2009 gestartet, das zweite im November 2010, das derzeit laufende dritte im September 2012. Rund 3,4 Billionen Dollar hat die Notenbank so bislang bereits in die Wirtschaft gepumpt. Weitere 425 Milliarden Dollar könnten nach Ansicht der Commerzbank bis Sommer 2014 noch dazukommen.
(mit dpa)

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