Wirtschaft : Die amerikanische Wirtschaft schrumpft

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Die US-Wirtschaft befindet sich auf Talfahrt. Im dritten Quartal dieses Jahres schrumpfte das amerikanische Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,4 Prozent, gab das Handelsministerium am Mittwoch bekannt. Das ist der erste Rückgang der Wirtschaftsleistung seit 1993. Fachleute hatten eine deutlich schlechtere Entwicklung erwartet und glauben daher jetzt, dass eine baldige Erholung der Wirtschaft in Sicht kommt. Die Börsen reagierten mit Kurssteigerungen, der Dollar legte zu.

Seit Anfang 1993 war die US-Wirtschaft ständig gewachsen. Wegen der allgemein schlechten Konjunkturlage und den Folgen der Terror-Anschläge auf New York und Washington vom 11. September gab es nun erstmals wieder einen Rückgang. Volkswirte hatten jedoch größtenteils mit einem Minus von einem Prozent oder mehr gerechnet.

Ursache des Wirtschaftseinbruchs waren vor allem Ausgabenkürzungen von Unternehmen, Verbrauchern und vom Staat. Die Investitionen der Wirtschaft sanken gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 11,8 Prozent. Auch die Regierung kaufte nur noch für 1,8 Prozent mehr bei den Unternehmen ein. Die Verbraucher, die mit ihrem Konsum die Konjunktur bislang gestützt hatten, gaben nur noch 1,2 Prozent mehr aus. Ihr Optimismus ist durch die Terror-Anschläge und die steigende Arbeitslosigkeit stark gedrückt. Am Dienstag war bekannt geworden, dass der Index des Verbrauchervertrauens im Oktober auf 85,5 Punkte gefallen war, das war der tiefste Stand seit siebeneinhalb Jahren. Die Stimmung der Konsumenten ist für die Wirtschaftsentwicklung besonders bedeutsam, da die Verbraucher für zwei Drittel der US-Wirtschaft gerade stehen.

Börsen positiv überrascht

Die besser als befürchtet ausgefallenen Konjunktur-Daten beflügelten weltweit die Börsen und auch die US-Währung. Die Wall Street in New York eröffnete im Plus, ebenso die Technikbörse Nasdaq. Auch in Frankfurt (Main) machte der deutsche Aktienindex Dax seine Verluste vom Vormittag wieder wett und erreichte ein Plus von rund einem Prozent auf 4587 Punkte (Stand 17 Uhr). Der US-Dollar gewann an den Devisenmärkten nach Bekanntgabe der Zahlen. Am Nachmittag war ein Euro nur noch 0,9048 Dollar wert, vor der Veröffentlichung der US-Zahlen waren es noch 0,9017 Dollar gewesen. Allerdings lasten auf dem Dollar nach Händler-Angaben noch die Erwartungen weiterer Konjunkturzahlen wie die Neuanträge auf Arbeitslosengeld, die am Ende dieser Woche bekanntgegeben werden und die wenig positiv ausfallen dürften.

"Das Schlimmste ist noch nicht überstanden", sagte Joachim Scheide, Konjunkturexperte am Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW), zu den Zahlen aus den USA. Im vierten Quartal dieses Jahres werde sich der Abschwung in den USA noch verschärfen. Zu Beginn des neuen Jahres könne es dann aber einen kräftigen Aufschwung geben. "Wenn es keine weiteren Terror-Anschläge in der westlichen Welt gibt und sich der Konflikt im Mittleren Osten nicht ausweitet, dann kann die US-Wirtschaft in den ersten beiden Quartalen um jeweils vier Prozent zulegen", erwartet Scheide. Der Grund: Die Verbraucher seien beim Konsum extrem zurückhaltend und hätten im neuen Jahr einiges nachzuholen.

Auch Ulrich Ramm, Chefvolkswirt der Commerzbank, hält eine Erholung in den Vereinigten Staaten im kommenden Jahr für wahrscheinlich. Derzeit seien die Verbraucher noch "verschreckt". Das sei aber eine Überreaktion. Ein besseres Wirtschaftsklima in Amerika könnte auch in Europa für einen Schub sorgen. Wenn sich die Stimmung in den USA stabilisiere, könnte der Aufschwung in den Euro-Teilnehmerländern drei bis sechs Monate später folgen, sagte er.

Fachleute schließen angesichts der schrumpfenden US-Wirtschaft nicht aus, dass die US-Notenbank die Leitzinsen erneut senken könnte. Der für die Zinspolitik zuständige Offenmarktausschuss tritt am 6. November erneut zusammen. Der Zinssatz für Tagesgeld liegt bei 2,5 Prozent, dem tiefsten Stand seit fast 40 Jahren. Der Notenbankpräsident Alan Greenspan hatte ihn in diesem Jahr schon neun Mal gesenkt.

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