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Wirtschaft : Die Anbieter denken über einen kürzeren Turnus nach. Die Messe verschafft der Branche einen Nachfrageboom

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Die Anbieter von Unterhaltungselektronik denken darüber nach, die Internationale Funkausstellung (Ifa) künftig jährlich und nicht wie bisher im Zwei-Jahres-Turnus stattfinden zu lassen. In Anbetracht der hohen Kosten wäre es jedoch möglich, jede zweite Messe in abgespeckter Form zu veranstalten, sagte Rainer Hecker, Aufsichtsratsvorsitzender der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu), am Mittwoch in Berlin. Grund ist die wachsende Unzufriedenheit der Firmen mit der Konsumenten-Computermesse Cebit Home, die traditionell in den Nicht-Ifa-Jahren stattfindet. Viele Anbieter von Unterhaltungselektronik haben sich wegen der fehlenden Resonanz des Publikums bereits von der Cebit Home zurückgezogen. Andererseits werden die Produktzyklen bei Consumer Electronics (Unterhaltungs-, Informationselektronik und Telekommunikation) immer kürzer, so dass es aus Sicht der Industrie durchaus Bedarf für eine jährliche Produktschau gibt.

Hinzu kommt, dass die Funkausstellung, die am Sonnabend in Berlin beginnt, erfahrungsgemäß Herstellern und Händlern einen kräftigen Auftragsschub bringt. Während die Deutschen pro Haushalt im vergangenen Jahr durchschnittlich 964 DM für Consumer Electronics-Produkte ausgaben, sollen es in diesem Jahr 1030 DM sein (zum Vergleich: USA 1667 DM). Dabei rechnet die Branche mit einem Nachfrageboom in der zweiten Jahreshälfte. Denn in den ersten sechs Monaten liefen die Geschäfte schlecht. Verglichen mit dem Vorjahreszeitraum sanken die Umsätze in der Unterhaltungselektronik um ein Prozent, weil viele im vergangenen Jahr wegen der Fußball-WM den Kauf von Fernsehern oder Videorecordern vorgezogen hatten. Für das gesamte Jahr geht die Branche jedoch von einem Umsatzplus von 1,2 Prozent auf 16,3 Mrd. DM aus. Für den gesamten Bereich Consumer Electronic soll das Wachstum aber noch deutlicher ausfallen. Hier erwartet Helmut Stein, Vorsitzender des Fachverbands Consumer Electronics im ZVEI (Zentralverband Elektrotechnik und Elektroindustrie), für das laufende Geschäftsjahr ein Umsatzplus von 7,7 Prozent auf 33,4 Mrd. DM. Die höchsten Zuwachsraten werden nach Einschätzung Steins Mobiltelefone (plus 38,9 Prozent) und Home PCs (18,5 Prozent) erreichen.

Deutlich kräftiger als die Umsätze wird nach Schätzung des ZVEI in diesem Jahr die Zahl der verkauften Geräte anziehen. Dass sich diese Belebung nicht positiver beim Umsatz niederschlage, liege an dem Preisverfall in der Branche, der besonders Standardgeräte betreffe. Nur bei innovativen und hochwertigen Geräten ließen sich noch Preiszuwächse erzielen. Die Anbieter richten ihre Hoffnungen daher vor allem auf die digitale Technik, die auch im Zentrum der Funkausstellung stehen wird. Die bis zum Jahr 2010 abgeschlossene Einführung des digitalen Fernsehens in Deutschland sei "nicht nur technologisch, sondern auch wirtschaftlich eine außerordentlich bedeutsame Entwicklung", betonte Hecker. Für das Digital-TV stelle die Ifa zwei wichtige Weichen: So werde in Berlin erstmals digitales Fernsehen auch terrestrisch (über Antenne) ausgestrahlt, und die sogenannte Multimedia Home Platform (MHP) wird öffentlich vorgestellt. MHP ist ein Software-Paket, das Rundfunk, Internet, TV und Computer verbindet und ein einheitliches System für alle Dienste schafft. Produkte mit eingebauter MHP sollen Mitte nächsten Jahres zur Verfügung stehen.

Weitere Hoffnungsträger sind der TV-Flachbildschirm, das "Home-Cinema" (Fernseher mit Surround-Sound-Anlagen) und die Video-CD Digital Versatile Disc (DVD). Er sei sicher, dass die DVD unmittelbar vor ihrem Durchbruch stehe, sagte Hecker. Gute Chancen gibt der gfu-Aufsichtsratschef auch dem 16 : 9-Fernsehen. Die in dem Breitbandformat ausgestrahlten Programme würden ausgebaut. Und: "16 : 9 wird der neue Weltstandard bei Bildröhren."

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