Wirtschaft : Die Angst im Paternoster

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Von Henrik Mortsiefer

Wenn an der Börse nichts mehr hilft, hilft nur noch André Kostolany. „Die Börse ist wie ein Paternoster“, sagte der Aktienguru. „Es ist ungefährlich durch den Keller zu fahren – man muss nur die Nerven behalten.“ Das fällt Anlegern in diesen Tagen schwer. Kostolany ist seit drei Jahren tot, und die Kurse wollen nicht mehr aus dem Keller kommen. Es geht statt dessen bergab, jeden Tag ein paar Punkte weiter.

Doch der bodenlose Pessimismus der Börse ändert nichts an der Mechanik der Märkte. Jedenfalls hält die Geschichte bisher keine anderen Beispiele bereit. Auf Phasen übertriebenen Wachstums, wie sie zuletzt während des Dot.Com-Booms der New Economy zu erleben war, folgen magere Jahre der Ernüchterung und Kurskorrektur. Das war schon während der Industrialisierung so und nach dem Börsen-Crash von 1929. Immer kamen die Märkte wieder auf die Beine, mal schneller und mal langsamer. Die Übertreibung in den Jahren 1999/2000 war extrem. Deshalb fällt die Korrektur genauso extrem aus, weil die aufgeblasenen Bewertungen in den Bilanzen und an den Börsen auf ein Normalmaß schrumpfen müssen.

Zufriedenstellend erklärt wird die derzeitige Depression damit freilich nicht. Was treibt die Investoren wirklich um? Ist es die anhaltende Kriegsangst? Ist es der ungewisse Ausgang der Bundestagswahl? Welchen Einfluss haben noch die vielfach wiederholten Gewinnwarnungen der Technologiefirmen und korrigierten Wachstumsprognosen? Die Antworten der Experten geben keinen Aufschluss, weil jeder eine andere hat. Es ist diese Ratlosigkeit der Profis, die die Kleinanleger das Fürchten lehren sollte – mehr noch als die fallenden Kurse.

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