Wirtschaft : Die Angst ist wieder da

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Von Henrik Mortsiefer

Sie sorgen sich alle: BDIPräsident Michael Rogowski, Groß- und Außenhandelschef Anton Börner, Auto-Präsident Bernd Gottschalk, die Händler an den Börsen und Devisenmärkten. Nach den Anschlägen in Spanien lebt in den Verbänden, Unternehmen und am Finanzmarkt das Terror-Trauma wieder auf. Gerade schien die Aufschwungshoffnung den Schock verdrängt zu haben, der Wirtschaft und Konsumenten nach dem 11. September 2001 lange Zeit lähmte. Und jetzt das: Sollte sich herausstellen, dass Al Qaida die Bomben in Madrid zündete, könnte aller Optimismus für 2004 dahin sein. Zumal in Europa, wo die Anzeichen für mehr Wachstum, Konsum und Beschäftigung noch viel vager sind als in den USA. Die beruhigend gemeinte Rhetorik der Verbandsvertreter nach den Attentaten wirkt deshalb um so verstörender. Warum fühlen sich plötzlich alle wieder aufgerufen, von einer Belebung und den starken Kräften des Marktes zu reden? Weil Al Qaida-Anschläge mitten in Europa allen Optimisten klar machen würden, dass die schlimmste Bedrohung der Globalisierung keine leere Formel ist: Der Terror ist so global wie die Märkte und er kann jederzeit und überall zuschlagen. Steigende Aktienkurse und höhere Wachstumsraten hatten den Einsturz des World Trade Centers weit gehend aus dem Bewusstsein der Unternehmen, Konsumenten und Anleger verdrängt. Jetzt sind die Bilder wieder da.

Wie gefährlich sind sie für den Aufschwung? Der Mittelständler, der investierten will, weil seine Produkte wieder stärker nachgefragt werden, wird dies wohl auch nach den Anschlägen in Madrid noch tun. Und wer sich nach der Steuerreform finanziell entlastet fühlt, wird seine Konsumpläne nicht revidieren. Wächst sich indes die Terror-Angst zu einer neuen Vertrauenskrise bei Firmen und Verbrauchern aus, müssen dieVolkswirte für 2004 neu rechnen.

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