Wirtschaft : Die Angst kehrt zurück an die Märkte Krise flammt in Portugal und Griechenland neu auf

Berlin - An den europäischen Finanzmärkten ist die Schuldenkrise mit Wucht zurückgekehrt. Die Kurse portugiesischer Staatsanleihen gerieten am Mittwoch infolge der schweren Regierungskrise in Lissabon massiv unter Druck. Im Gegenzug stieg der Zinssatz für zehnjährige Anleihen erstmals im laufenden Jahr wieder über die Marke von sieben Prozent. Auch die Börse in Lissabon brach ein, der Leitindex PSI20 verlor zeitweise mehr als sechs Prozent.

Die Nervosität wurde zudem durch die wiederaufflammende Diskussion über einen Schuldenerlass für Griechenland geschürt. Das trug an den wichtigsten Börsen in Europa zu kräftigen Verlusten bei. Der Dax rutschte am Mittwoch bis zum Abend um 1,5 Prozent auf 7788 Punkte ab. Auch der Euro geriet unter Druck; er kostete zuletzt 1,2969 Dollar. Die Rendite zehnjähriger griechischer Anleihen stieg auf mehr als elf Prozent. Die Rendite der 30-jährigen Titel legte dagegen moderater auf 9,83 Prozent zu.

Üblicherweise ist die Rendite eines staatlichen Schuldtitels umso höher, je länger seine Laufzeit ist. So rentieren beispielsweise zehnjährige Bundesanleihen derzeit mit 1,645 Prozent und ihre 30-jährigen Pendants mit 2,407 Prozent. Übersteigt nun die Rendite eines kürzer laufenden Papiers diejenige eines vergleichbaren Titels mit längerer Laufzeit, gilt dies als Hinweis darauf, dass Anleger das Risiko eines Zahlungsausfalls in näherer Zukunft höher einschätzen. Börsianer bezeichnen dieses Phänomen als „inverse Zinskurve“. Unmittelbar vor dem Schuldenschnitt für Griechenland im März 2012 hatte die Rendite der zehnjährigen Bonds 15 Prozentpunkte über derjenigen der 30-jährigen Titel gelegen.

Als Grund für die neuen Irritationen am Finanzmarkt nannten Börsianer die Aussagen eines EU-Offiziellen, denen zufolge die internationalen Geldgeber ihre Hilfen für das hoch verschuldete Griechenland für drei Monate einfrieren könnten. Ein Vertreter des griechischen Finanzministeriums betonte dagegen, dass sich sein Land mit EU, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds über die umstrittenen Sanierungsmaßnahmen einigen werde. Eine Verzögerung bei der Auszahlung der anstehenden Kredit-Tranche sei zudem nicht „das Ende der Welt“. Die Euro-Finanzminister beschäftigen sich am kommenden Montag mit den Problemländern. dpa/rtr

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